Winterwandern in Willingen am Rothaarsteig

Oder sollte man besser Wildwetterwandern sagen?

In den Orten Willingen und Winterberg am Rothaarsteig finden an diesem Wochenende Winterwandertage statt. Und weil auch ich momentan einen Mangel an Licht und frischer Luft habe, folge ich dem Angebot gerne und mache mich auf zu einer Winterwanderung nach Willingen am Rothaarsteig. Was das Winterwandern betrifft, sind die Willinger richtige Profis. In den Jahren 2014 und 2016 wurden hier jeweils die Deutschen Winterwandertage des Deutschen Wanderverbands ausgerichtet.

Als ich das Büro verlasse fragt mich mein Kollege noch: "Und bei dem Wetter möchtest du wirklich raus?" - Es ist grau und regnerisch draußen aber ich will wirklich raus! Denn trotz Wanderjob verbringe ich viel Zeit im Büro. Jetzt also raus! Unsere Tour startet an der Tourist-Info Willingen. Ich bin erstaunt wie viele Leute motiviert sind bei diesem Mistwetter raus zu gehen. Die Wanderführer des Upländer Gebirgsverein Willingen begrüßen uns kurz und dann geht es auch schon raus in die Kälte. Trotz Mütze setze ich recht schnell meine Kapuze auf. Das Wetter ist unbeständig und von oben kommt eine Mischung aus Schnee und Regen. Insgeheim habe ich im Vorfeld natürlich von Tiefschnee und Sonne geträumt. Aber wir befinden uns nun mal in einem Mittelgebirge und da kann man im Winter nicht immer mit einem Sonne-Schnee-Panorama rechnen.

Wir verlassen Willingen und sind auf einer unbewaldeten Freifläche unterwegs. Hier verapsst uns das Wetter erstmal ein Gesichtspeeling und an meiner Brille könnte ich durchaus Scheibenwischer gebrauchen. Ich komme mit einem anderen Wanderer ins Gespräch und er sagt zu mir: "Na alleine wäre ich bei diesem Wetter nicht vor die Tür gegangen". Er hat Recht denke ich. Bei einem derartigen Wetter zieht auch mich das Wandern in der Gruppe richtig mit. Besonders freue ich mich bei diesem grauen Wetter über die kleinen Farbtupfer der Natur. Seien es die übrig gebliebenen roten Hagebutten oder das tiefgrüne Moos, was mittlerweile vom Schnee leicht gezuckert ist.

Wir kommen in den Wald und durch den abnehmenden Wind ist es hier gleich viel angenehmer. Die Gruppe macht eine kleine Pause. Doch bereits nach kurzer Zeit merken wir, dass es kalt wird. Also in Bewegung bleiben und weiter! Wir laufen über Pfade und man muss wirklich aufpassen, dass man nicht ausrutscht. Langsam gehen ist angesagt. Der Schneefall wird immer stärker. Doch trotzdem ist es irgendwie erfrischend bei diesem Wetter draußen zu sein. Gegen Ende unserer Tour kommen wir an der Skisprungschanze Orenberg vorbei. Hier wird die nächste Generation Skispringer ausgebildet. Auch wenn sich das niedlich anhört, selbst von der kleinsten Schanze will ich nicht runter springen. Nach ca. zwei Stunden gelangen wir zurück zum Startpunkt unserer Wanderung. Ich kann gar nicht beschrieben wie gut der heiße Kaffee jetzt tut. Alleine für diesen Moment kann ich eine Winterwanderung nur empfehlen!

Mein persönliches Fazit zum Winterwandern:

  • Keine Scheu vor "schlechtem Wetter". Auch mit wenig Schnee und ohne Sonne ist es eine tolle Erfahrung.
  • Erst dann wird man nämlich so richtig durchgepustet. Kalte Nase, rote Wangen und spätestens nach 200 Metern ist einem das Aussehen egal.
  • Desto unbeständiger das Wetter, umso eher fallen einem die natürlichen Farbtupfer in der Natur auf.
  • In der Gruppe fällt es, zumindest mir, leichter im Winter vor die Tür zu gehen.
  • Manche Passagen erfordern es langsam zu gehen.
  • Wasserdichte Kleidung ist ein Muss, sonst macht es keinen Spaß.
  • Ein Heiißgetränk oder eine warme Suppe im Anschluss sollte sich jeder gönnen. Nach einer Winterwanderung schmeckt es umso besser!

Falls Sie sich kurzentschlossen noch einer Winterwanderung anschließen wollen, schauen Sie doch in Winterberg oder Willingen am Rothaarsteig vorbei.

Viel Spaß!

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