6. Die weiße Pestwurz - ein Höhenspezialist

Hier in der Höhe gedeiht die Weiße Pestwurz. Im Mittelalter sagte man ihr und ihrer Verwandten, der Gewöhnlichen Pestwurz, Heilkraft gegen die Pest nach. In Anbetracht der vielen Opfer scheint die Wirkung aber mehr schlecht als recht gewesen zu sein.
Die Weiße Pestwurz überdauert den Winter mit einem Wurzelstock. Aus ihm treiben im Frühjahr zuerst die weißen Blütenstände. Nach der Blüte kommen die rundlichen, bis 40 cm breiten Blätter. Die Pestwurz  bevorzugt feuchte Standorte z.B. an Bachufern oder in sickerfeuchten Laubwäldern.
Die Weiße Pestwurz ist eine montane Staude. Sie wächst erst oberhalb von 500 bis 600 m. über dem Meeresspiegel. Generell reagiert die Vegetation auf sich ändernde Höhenbedingungen. Wald stößt im Gebirge auf ca. 2.000 m an seine Grenze – die Wald- oder Baumgrenze. Weiter oben können nur noch alpine Rasen, Staudenfluren, Polsterpflanzen wachsen und noch höher lediglich Moose und Flechten überdauern. Es gibt aber auch eine untere Grenze für Arten. Beispielsweise wachsen hier – in der montanen Stufe – Pflanzen, die weiter unterhalb nicht mehr vorkommen. In tieferen Lagen wird die Weiße Pestwurz von ihrer Verwandten, der Gemeinen Pestwurz abgelöst – diese ist dort konkurrenzstärker.
Mit zunehmender Höhe nimmt die Dauer der Vegetationsperiode ab, die Ultraviolettstrahlung dafür zu. Die Temperaturen schwanken stärker. Man teilt die Höhenstufen in Flachland, Hügelland, Bergland und Gebirge ein. Dabei verschiebt sich die Zuordnung etwas, je nachdem, ob man sich in den Mittelgebirgen oder in den Alpen befindet. Der „Große Stein“ ist 546 m hoch, damit liegt das Naturschutzgebiet in der montanen Stufe der Mittelgebirge. 
Neben der Höhenlage hängt die Vegetation vom Nährstoff- und Wasserangebot einer Region ab. Wesentlich ist natürlich auch das Klima. Wie Gürtel erstrecken sich verschiedene Klimazonen um die Erde. Mitteleuropa gehört zur gemäßigten Klimazone mit mäßig warmen Sommern, milden Wintern, einer Vegetationszeit von 4 bis 6 Monaten und übers Jahr verteilten Niederschlägen. Je weiter man sich vom Meer entfernt, desto trockener wird die Luft, die Sommer sind heißer und die Winter kälter. Näher am Meer wirkt der riesige Wasserkörper temperaturausgleichend und sorgt für hohe Luftfeuchtigkeit. Man spricht vom ozeanischen oder atlantischen und im Gegensatz dazu vom kontinentalen Klima.

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