4. Ein Niederwald aus Erlen

Wenn Sie oberhalb des Weges in den Wald sehen, fällt Ihnen sicherlich auf, dass die Bäume mehrstämmig sind: Mehrere Stämme wachsen aus einem Wurzelstock. Es handelt sich hier um einen Niederwald – oder Hauberg, wie man im Siegerland dazu sagt. In diesem Fall besteht er aus Erlen. In einem Niederwald werden alle Bäume nach 16 bis 22 Jahren auf den Stock gesetzt und schlagen dann mit mehreren Trieben wieder aus. Solche Stockaustriebe werden nicht so hoch wie ein normaler Baum, deshalb der Name „Niederwald“. Und „Hauberg“? [Axtschläge] Klar, die Bäume wurden einst regelmäßig „abgehauen“ – heute natürlich mit Hilfe der Motorsäge!
Der Wald im Siegerland diente schon ca. 500 vor Christus, zur Zeit der Kelten, zur Herstellung von Holzkohle. Man benötigte große Mengen Holzkohle zur Verhüttung von Eisenerz. Durch den Raubbau am Wald entstand damals bereits Niederwald. Der später einsetzende, geordnete Niederwaldbetrieb ist das Resultat verschiedener Forst- und Haubergsordnungen. Deren erste datiert aus dem Jahr 1553. Diese Haubergsordnungen regelten die vielfältige und nachhaltige Nutzung des Hauberges.
Die Hauptbaumarten der Hauberge sind Eichen und Birken, da sie nach dem Abschlagen leicht wieder aus dem Stock austreiben. Hier, an unserem quellig-nassen Standort, gedeiht aber die Schwarzerle besser. Denn sie besitzt die Fähigkeit, mit ihren Wurzeln in ständig wassergesättigte, sauerstoffarme Bereiche zu wachsen. Poren an der Stammbasis ermöglichen einen Gasaustausch, auch wenn die Wurzeln überstaut sind. Denn ein Baum nimmt über die Wurzeln Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab. 
Nicht nur in sauerstoffarmen Bereichen, sondern auch in nährstoffarmen Böden kann die Schwarzerle gut gedeihen. Für ihre Versorgung mit Stickstoff arbeitet sie nämlich mit Bakterien zusammen, die in Knöllchen an ihren Wurzeln leben. Die Erle versorgt die Bakterien mit Zuckerlösung aus der Photosynthese und die Bakterien versorgen den Baum mit Stickstoff, den sie direkt aus der Luft zu binden vermögen. Auffällig ist, dass Erlen ihre Blätter grün abwerfen. Alle anderen laubabwerfenden Bäume ziehen die Nährstoffe vor dem Blattfall aus den Blättern, was dann die bunte Herbstfärbung bewirkt. Die Schwarzerle ist jedoch so gut mit Stickstoff versorgt, dass sie solche Sparmaßnahmen nicht nötig hat.
Natürlich besteht hier auch die Krautschicht aus Pflanzen, die eine gute Wasserversorgung benötigen wie z.B. die Gemeine Pestwurz oder die Sumpfdotterblume. Sogar den Blauen Eisenhut können Sie hier wieder finden! 

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