2. Mädesüss, Trollblume und blauer Eisenhut - drei, die es nass mögen

Wissen Sie, dass Grünland in unserer Gegend ein reines Kulturprodukt ist? Natürlicherweise würde in der feuchten Talsenke ein Auwald stehen. Davon ist nur noch ein kläglicher Rest vorhanden. Als Erlensaum begleitet er den Winterbach. 
Das heutige Grünland ist durch menschliches Wirtschaften entstanden und kann auch nur durch weitere Nutzung erhalten bleiben. Viehweiden sind wohl die älteste Art der Grünlandnutzung. Wiesen, also gemähtes Grünland, konnte erst mit der Entwicklung von notwendigem Werkzeug entstehen: „Ohne Sense und Heuernte keine Wiese!“
Den Unterschied zwischen Wiesen und Weiden können Sie leicht erkennen, denn Mahd wirkt wesentlich anders auf die Pflanzen des Grünlands als eine Beweidung durch Tiere. Tiere verbeißen nur bestimmte Pflanzen und auch oft nicht die gesamte Pflanze. Durch das Mähen verlieren die Pflanzen hingegen alle ihre oberirdischen Organe, die für den Stoff- und Energiehaushalt notwendig sind. Wiesen sehen deshalb ziemlich gleichförmig aus. 
Einige Pflanzen des Feucht- und Nassgrünlandes werden sehr hoch. Dazu zählt das Mädesüß mit seinen weißen, duftenden Blütenständen. Fällt eine solche Nasswiese oder Nassweide brach und wird nicht mehr gemäht oder abgeweidet, setzen sich schnell- und hochwüchsige Arten durch. Rasch entwickelt sich eine Hochstaudenflur. 
Mitte bis Ende Mai können Sie auf den feuchten Wiesen eine besondere Pflanze bewundern. Dann blüht die Trollblume, deren große gelbe Blütenköpfe von weitem zu sehen sind. 
Die Trollblume gilt als „gefährdet“. Sie benötigt feuchte, nährstoffreiche Böden und erträgt nur eine extensive Nutzung, also seltenes Mähen und wenig Beweidung. Im Mai blüht auch die Bach-Nelkenwurz mit ihren braun-roten Blütenkelchen Es ist eine zu den Rosengewächsen gehörende Pflanze. Ihre Samen sind mit Häkchen versehen. Kommt ein Tier vorbei, bleiben die Samen im Fell hängen und lassen sich davon tragen – eine wirkungsvolle Art der Samenverbreitung, wie sie auch z.B. die Klette verfolgt. Man spricht dann von Zoochorie – Samenverbreitung durch Tiere.
Wenn Sie im Sommer am Wegesrand an feuchten, quellig-nassen Standorten eine große Pflanze sehen, deren dunkelblaue, große Blüten einen kerzenförmigen Blütenstand bilden, haben Sie den Blauen Eisenhut. entdeckt. Er gehört zu den  Hahnenfußgewächsen. Der Blaue Eisenhut war früher in sumpfigen Wäldern zu Hause, heute besiedelt er deren Ersatzgesellschaften, wie Feuchtwiesen und Hochstaudenfluren. Sein Gehalt an Alkaloiden macht ihn zu einer Heilpflanze – aber Vorsicht! – auch zu einer unserer giftigsten heimischen Pflanzenarten. Daher ist von einer Selbstbehandlung dringend abzuraten – die könnte tödlich enden!

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