2. Waldmeister Buchenwald

Wie von Zauberhand verwandelt sich der Waldboden im Frühjahr an einigen Stellen in ein weißes Blütenmeer,  an anderen aber nicht. Woran liegt das? Zauberei ist hier wohl kaum im Spiel. 
Dieser Sache lohnt es sich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund zu gehen. Denn hier ist der Boden relativ basen- und nährstoffreich. Einige Meter weiter wechselt der Untergrund. Dort befindet sich saures Ausgangsgestein, wie übrigens in den meisten Gegenden des Sauerlandes. In Abhängigkeit von dem Untergrund, ob basisch oder sauer, unterscheidet man auch die Pflanzengesellschaften, die auf ihm wachsen. Sie sind jeweils an den Standort und seine besonderen Bedingungen angepasst.
Auf dem nährstoffreichen Untergrund, auf dem wir gerade stehen, findet sich der Waldmeister unter den Buchen. Waldmeister ist sehr gesellig und bildet große Blütenteppiche am Waldboden. Das weiße Blütenmeer im Frühjahr besteht aus ganz vielen kleinen Waldmeisterpflänzchen. Die meisten kennen Waldmeister aus einer leckeren Maibowle. Zerreibt man ein Blättchen in der Hand, so riecht man gleich den aromatischen Duft nach Cumarin. Der Waldmeister hat der Waldgesellschaft hier sogar ihren Namen gegeben. Man nennt sie: Waldmeister-Buchenwald.
Es gibt aber auch noch andere Pflanzen in einem Waldmeister-Buchenwald zu entdecken. Dazu gehören die  Goldnessel mit ihren gelb leuchtenden Blüten oder das zierliche Einblütige Perlgras. Nach Sträuchern allerdings sucht man in einem Buchenwald meist vergebens. Denn durch das dichte Kronendach der Buchen dringt nicht genügend Licht. 
Einige Pflanzen haben gegen die Dunkelheit im Buchenwald eine ganz besondere Strategie entwickelt, und zwar die Frühjahrsblüher, auch Geophyten genannt. Sie blühen schon, bevor die ersten Blätter an den Buchen sprießen und den Waldboden beschatten. Die Zwiebel-Zahnwurz ist ein Frühlingsblüher, der hier vor allem im Mai  häufig zu finden ist. Sie erkennen die Pflanze an den zart lilafarbenen Blüten. Die Zwiebel-Zahnwurz vermehrt sich auf eine ganze besondere Weise. In ihren Blattachseln bilden sich kleine, braun-violette Knöllchen. Das sind Brutzwiebeln, die nach einiger Zeit abfallen und für Ameisen ein ganz besonderer Leckerbissen sind. Mit Hilfe der Ameisen werden die Knöllchen überall im Wald verteilt. Aus den Brutzwiebeln wachsen so schließlich neue Pflanzen. 
Basen- und nährstoffreiche Böden wie hier sind im Rothaargebirge eher selten zu finden. Deshalb ist  die Pflanzengesellschaft des Waldmeister-Buchenwaldes eine echte Rarität in diesen Breiten! 

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