10. Naturwaldzelle - Urwald von morgen

Urwälder im Hochsauerland? Heute gibt es sie noch nicht, aber vielleicht werden unsere Urenkel sie erleben. Und zwar hier. 
Hier bleibt auf fast 80 ha, das sind über 100 Fußballfelder, der Wald sich selbst überlassen. Man spricht von einer „Naturwaldzelle“. Im Gegensatz zum Wirtschaftswald werden dort weder Bäume gepflanzt noch entnommen. Hier kann sich der Wald unbeeinflusst vom Menschen entwickeln. Uns gibt das eine einmalige Gelegenheit, die natürliche Abfolge von Wachstum, Alterung, Zerfall und Verjüngung zu erforschen und zu erleben. 
Der Anblick bewirtschafteter, aufgeräumter Wälder ist uns vertraut. Da ist es erst einmal ungewohnt, durch einen Naturwald zu gehen. Denn hier herrschen scheinbar chaotische Zustände: Wild verstreut liegen große und kleine Äste und umgekippte Bäume herum. Hier steht eine abgestorbene, durchlöcherte Baumruine, dort ein riesiger Uraltbaum mit vielen toten Ästen. Doch diese Unordnung bedeutet Vielfalt und Leben.
Für in Höhlen brütende Vögel wie den Schwarzspecht bieten Uraltbäume Schlafplatz und Kinderstube. Der Schwarzspecht ist der größte deutsche Specht, und Sie können ihn ganz einfach am feuerroten Hinterkopf und dem rabenschwarze Gefieder erkennen. Um von einem Schwarzspecht auserkoren zu werden, muss die Buche schon einen Durchmesser von mindestens 40 cm haben, also ungefähr 100 Jahre alt sein. Nicht nur der Schwarzspecht profitiert hiervon, denn Spechthöhlen werden von mehr als 60 weiteren Tierarten genutzt. 
Es ist faszinierend zu beobachten, wie der Wald sich ohne das Zutun des Menschen entwickelt. Aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen. Ein wirklicher Urwald wie zu der Zeit, als die Menschen noch Jäger und Sammler waren, wird hier wohl nicht mehr entstehen. Dafür haben wir die Waldentwicklung in den letzten Jahrtausenden zu sehr beeinflusst. Es wird wohl noch viel Zeit vergehen, bis die Spuren des menschlichen Wirkens im Wald verschwunden sind. Doch schon heute können wir ahnen, wie der Wald ohne den Menschen ausgesehen hat – und einen kleinen Hauch von Wildnis spüren! 

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