9. Das Wiesental der jungen Ruhr

Vor 2000 Jahren hätten Sie von diesem Standpunkt aus das Bächlein Ruhr wahrscheinlich höchstens erahnen können. Es lag wohl verborgen in einem feuchten Wald aus Erlen, Eschen und Bergahorn. Doch seitdem der Mensch sesshaft wurde, um Ackerbau und Viehzucht zu betreiben, rodete und nutzte er den Wald auf vielfältigste Weise. Das Wort Rodung findet sich auch im Namen „Rothaargebirge“. Der hat gar nichts mit „roten Haaren“ zu tun, sondern bedeutet in etwa „Gerodetes Waldgebirge“.
Wie man den Wald heute nutzt, erfahren Sie in der hier vom Landesbetrieb Wald und Holz eingerichteten Ausstellung „Wald als Wirtschaftsraum“.
Täler, wie das Ruhrtal vor uns, begann man erst im frühen Mittelalter zu entwalden und allmählich in Wiesen umzuwandeln. Angelegt wurden die Wiesen, weil man damals dringend Heu benötigte, um die Tiere durch den langen und harten Winter zu bringen. Erst nach der spätsommerlichen Heuernte im Tal durften die Weidetiere damals zur Nachbeweidung auf die kostbaren Wiesen! Über die Sommermonate musste sich das Weidevieh mit dem kargen Bewuchs der Kuppen begnügen. Dorthin wurde es allmorgendlich getrieben und abends zum Melken in die Ställe der Stadt Winterberg zurückgeholt.
Durch die mittelalterlichen Rodungen entstanden auf den feuchten bis nassen Böden des oberen Ruhrtals ganz nebenbei die Feuchtwiesen, die heute für den Naturschutz so wertvoll sind. Auch Hochstaudenfluren entwickelten sich in diesem Zusammenhang; sie sind von mehrjährigen, hoch wachsenden und krautigen Pflanzen bewachsen. 
Seit circa 2 – 3 Jahrzehnten bedroht die intensive landwirtschaftlichen Nutzung diese Lebensräume: Hohe Düngergaben und Entwässerungsmaßnahmen lassen die Vielfalt an Arten verschwinden. Aktuell lässt sich jedoch auch ein gegenteiliger Trend beobachten. Denn die Hochleistungslandwirtschaft kapituliert zunehmend vor der Nutzung dieser Wiesen – auf den feuchten bis nassen Böden ist sie einfach unrentabel. Die modernen schweren Maschinen sinken zu tief ein. Wenn die Flächen gar nicht mehr genutzt werden, fallen sie allerdings brach und  der vielfältige Lebensraum Wiesental verschwindet langsam. Durch die Ausweisung der Wiesen als Naturschutzgebiet kann hingegen eine traditionelle Wirtschaftsweise weitergeführt werden. Werner Schubert von der Biologischen Station Hochsauerland erklärt:

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