7. Das wandelbare Gesicht der Landschaft

Vor kurzem hatten Sie hier noch einen offenen Blick in die reich strukturierte Landschaft des Sauerlandes mit seinen Wiesen, Hecken und Wäldern. Jetzt wächst die Sichtschneise langsam wieder zu. Ein Sturm hatte sie in den Fichtenwald geschlagen. 
Wandel ist das Wesen einer Landschaft. Natürliche Gegebenheiten, aber auch das Wirken der Menschen beeinflussen diesen Wandel. Ein menschlicher Eingriff war beispielsweise die Pflanzung von Fichten, die schlecht an extreme Wetterereignisse angepasst sind und dem Sturm nicht standhielten.
Können Sie sich vorstellen, wie es im Sauerland vor 2000 Jahren ausgesehen hat? Damals war es fast ausschließlich mit Wald bedeckt. Uneingeschränkte Königin dieses Waldreiches war die von Natur aus vorherrschende Rotbuche. Doch seitdem der Mensch hier im Mittelalter sesshaft wurde, rodete und nutzte er den Wald auf vielfältigste Weise. So lichtete sich der Baumbewuchs, Heide und Grünland breiteten sich aus, aber auch  Ackerflächen wurden angelegt. Nach dem 2. Weltkrieg nahm der Tourismus in Winterberg stetig zu: es entstand für die Landbevölkerung eine neue Einkommensquelle. Sie machte den bis dahin zur Nahrungsversorgung notwendigen Ackerbau verzichtbar. Aus den eh´ schon nicht sehr effizienten Ackerflächen entstand Grünland zur Milcherzeugung und damit weitere Bergwiesen, wie Sie sie bereits entlang des Audiopfads kennengelernt haben. Im Laufe der Zeit entstand eine parkähnliche, offene Kulturlandschaft mit wenigen Gehölzen und Bäumen.
Machen wir einen Sprung weiter in das 19. Jahrhundert. Die wenigen noch verbliebenen Wälder waren damals in einem miserablen Zustand. Es herrschte mittlerweile eine große Holznot – ein neuer Wald musste her. Und so betrat die schnellwüchsige, anspruchslose, aber leider nicht heimische Fichte die Bühne und wurde zum sogenannten „Brotbaum des Sauerlandes“.  Noch heute ist die Fichte die dominierende Baumart im oberen Sauerland: 70% der Waldfläche bestehen aus Fichtenwald.
Jetzt kennen Sie die Geschichte der Sauerländer Landschaft. Wie wird sie wohl in 500 Jahren aussehen??

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