6. Versteckte Quellen

„Durch die Tannen will ich schweifen,
wo die muntere Quelle springt.“
So schwärmte einst der Romantiker Heinrich Heine. In diesem durch die Kraft des Wassers tief eingekerbten Tal liegt etwas ganz Besonderes verborgen. Versteckt im lichten Grün der Hochstauden und Farne befindet sich hier in der Talsohle eine Quelle, die der Dichter wohl nicht erkannt hätte. Sie plätschert nicht laut und sprudelnd –wie man es vermutet- sondern kommt ganz leise daher. Denn es handelt sich hier um eine sogenannte Sicker- und Sumpfquelle – die häufigste Quellform im Sauerland.
Wie der Name schon sagt, sickert ihr Wasser langsam aus dem Untergrund hoch und bildet zum Teil großflächige feuchte und sumpfige Bereiche. 
Wissen sie übrigens, warum das Sauerland nicht nur das Land der 1000 Berge, sondern gleichzeitig auch das Land der 1000 Quellen ist?
Das Sauerland ist eine überdurchschnittlich regenreiche Region – daher gibt es auch so viele Quellen, Bäche und Flüsse. Im Zusammenspiel mit den geologischen Gegebenheiten hat die Kraft des Wassers die Landschaft über Jahrtausende hinweg geformt. So entstand das für das Sauerland so typische vielfältige Relief von Bergen und Tälern. 
Typisch für das Sauerland ist für viele Menschen auch der allgegenwärtige Fichtenwald, der unsere Quelle hier umgibt. Aber leider ist er kein guter Nachbar der Quelle. Die auf dem Waldboden liegende Nadeln, die sogenannte Nadelstreu, zersetzen sich nur langsam. Dabei entstehen Huminsäuren, die zur Versauerung des Bodens und des Quellwassers führen. Zusätzlich verschattet der Fichtenwald auch ganzjährig die Quelle, so dass ihr ökologisches Gleichgewicht darunter leidet. 
Im weiteren Verlauf dieses Audiopfades werden sie noch eine Quelle kennen lernen, die ganz bestimmt nicht versteckt liegt. Sie ahnen wahrscheinlich schon, welche gemeint ist.

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