4. Das harte Leben auf der Winterberger Hochfläche

Der Blick auf eine historische Karte von 1841 verrät uns, dass die Landschaft hier damals durch Ackerbau geprägt war. Spuren dieser historischen Feldbewirtschaftung sehen Sie im Fichtenwäldchen vor uns: Dort sind mehrere parallel verlaufende Geländekanten zu erkennen.
Haben Sie eine Idee, was es mit diesen Geländekanten auf sich hat? Nein? Damals passierte Folgendes:
Durch die landwirtschaftliche Bearbeitung der Flächen am Hang mit dem Pflug rutschte der Boden langsam abwärts. Eine Folge davon war, dass die Ackerflächen kontinuierlich abflachten. An der Feldgrenze, die häufig mit Hecken bewachsen war, wurde die Erde aufgefangen. So entstanden die Geländekanten, die gleichzeitig eine Besitz- oder Nutzungsgrenze markierten. Vereinzelt wurden diese so genannten „Ackerterrassen“ auch bewusst angelegt, um  das steile Gelände besser bearbeiten zu können.  Halten Sie die Augen offen: Noch heute können Sie die typischen Böschungskanten vielerorts – vor allem im Fichtenwald und auf Grünlandflächen – entdecken. 
Aber wie kam es überhaupt, dass man früher sogar Hangflächen wie diese als Ackerland nutzte? Es war ein hartes Leben hier auf der Winterberger Hochfläche. Der Ackerbau brachte nur einen Bruchteil der heutigen Erträge ein. Alles fruchtbare und nutzbare Land nutzte man daher als Anbaufläche – sogar steile Berghänge! Zur Steigerung des Ertrages musste schwer geschuftet werden: Man mischte Viehdung und Asche mit Haferstreu oder Heideplaggen – das ist humushaltiger Oberboden. Danach wurde dieser organische Dünger mühsam auf die Felder gebracht. Der mineralische Dünger war noch nicht erfunden!
Erschwerend für die Bauern wirkte sich auch das raue Klima auf der Winterberger Hochfläche aus. Entsprechend kommentierte der Agrarwissenschaftler Johann Nepomuk von Schwerz, den wir ja bereits kennen gelernt haben, den Namen derselben:
…  „Der lange Winter, der auf jenen hohen Koppen haust, ertheilte nicht mit Unrecht seinen Namen. Roggen gedeiht nur an den vortheilhaftesten Stellen, wenn es zugleich mit Heide und Laub nicht bedeckt ist. In Dreische, Hafer, Kartoffeln, Flachs und Rüben besteht daher die ganze Kultur dieser Gegend.“ 

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