9. Borstgrasrasen - ein Lebensraum für Spezialisten

An dieser Stelle hat sich ein weiterer sehr selten gewordener Lebensraum auf der Niedersfelder Hochheide erhalten: der Borstgrasrasen. Wieder ein Lebensraum, der eigentlich durch die Übernutzung der Landschaft entstanden ist! Das kam so: Werden die Heideflächen stärker beweidet, halten die Heidepflanzen dem Verbiss nicht mehr stand. Dann übernimmt das Borstgras die Regie. Wie der Name schon sagt, sind die Halme des Borstgras ziemlich borstig und schmecken den Tieren nur, wenn sie noch schön jung sind. Ältere Borstgraspflanzen werden verschmäht. So breitet sich das Borstgras immer weiter aus.
Damit Borstgrasrasen überhaupt entstehen kann, müssen auch die natürlichen Voraussetzungen stimmen: saures Gestein, nährstoffarme Böden und viel Regen. Kurz gesagt: extreme Mangelstandorte sind gefragt! 
Die Pflanzen der Borstgrasrasen sind zäh und können schon einiges an Viehtritten und Verbiss ertragen, doch eins können sich gar nicht leiden: Nährstoffe. Sobald ein Borstgrasrasen gedüngt wird, verschwindet er in kürzester Zeit. Deswegen sind heute die bunten Blütenteppiche des Borstgrasrasens nur noch sehr selten im Sauerland zu finden. 
Andere „Hungerkünstler, die sich an extremen Mangelstandorten behaupten können, sind beispielsweise die Blutwurz und das Harzer Labkraut. 
Sie, dass Labkraut bei der Käseherstellung genutzt wurde? Es enthält ein Enzym, das dazu führt, dass die Milch gerinnt, ohne dabei sauer und schlecht zu werden. Traditionell wird Lab zur Käseherstellung aus dem Magensaft von Rindern gewonnen.

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