3. Der Wandel der Landschaft

Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und lassen Sie den Blick über die Berge und Täler des Hochsauerlandes schweifen. Ist es nicht wunderschön, dieses vielfältige Mosaik aus Wäldern, Ackerflächen, Wiesen, Weiden und Dörfern?
Das Gesicht dieser Landschaft sah einst ganz anders aus. Machen wir einen kleinen Zeitsprung zurück ins Mittelalter. Damals hätten Sie von ihrem jetzigen Standpunkt aus unendlich viel Wald gesehen, Buchenwald. Doch damit hier Menschen leben konnten, musste der Wald weichen. Die Menschen brauchten Holz für die Häuser, die Öfen brauchten Kohle, das Vieh Weidefläche und das Getreide Licht.
Das Hochsauerland hat nur so viele verschiedene Gesichter, weil der Mensch den Wald gerodet hat. Das Wort Rodung findet sich auch im Namen „Rothaargebirge“. Der hat gar nichts mit „roten Haaren“ zu tun, sondern bedeutet in etwa „Gerodetes Waldgebirge“. Erst durch das Wirtschaften des Menschen entstand dieses vielfältige Mosaik an Lebensräumen. Denn die Menschen nutzten, ja übernutzten die Landschaft, um hier überleben zu können. Die für uns heute so romantisch anmutende Heidelandschaft ist genau betrachtet das Ergebnis einer Ausbeutung der Natur. Machen wir uns nichts vor: Das Leben  in diesem rauen Gebirge war einst sicherlich kein Zuckerschlecken.
So hat sich die Landschaft ständig gewandelt und wird sich auch weiterhin wandeln. Der Wandel ist das Wesen der Landschaft. Allerdings verändert sie sich heute durch unsere technischen Möglichkeiten viel schneller und raumgreifender als früher.
Das kann man ganz gut an dem Steinbruch hier vor uns sehen. Noch vor 200 Jahren wäre es technisch gar nicht möglich gewesen, ein so großes Loch in so kurzer Zeit in die Landschaft zu graben.
Für die Tiere und Pflanzen ist der rasante Landschaftswandel ein echtes Problem. Zum einen verlieren sie ihre Lebensräume, zum anderen haben sie nicht genug Zeit, um sich an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen. Bei diesem Tempo kommen viele Tiere und Pflanzen einfach nicht mit – und bleiben auf der Strecke.

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