8. Ein Bett aus Moos

„In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte“ 
Mit solcher Ehrfurcht und wohl auch Begeisterung begegnete der Schriftsteller Franz Kafka dem Wald. Sich unter einem lichten Blätterdach ins Moos legen – was für ein schöner, beruhigender Gedanke.
Moose gehören wie auch Farne und Flechten zu den sogenannten „Kryptogamen“, was übersetzt so viel heißt wie "Pflanzen, die im Verborgenen heiraten“. Sie alle vermehren sich – anders als Blütenpflanzen – nicht über Samen, sondern über Sporen. Die sind so fein, dass sie mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. 
Hier im feuchten, frischen und schattigen Klima des Schluchtwaldes fühlen sich Moose, Farne und Flechten wohl – sehr wohl. Sie besiedeln vor allem die alten Bäume, das Totholz oder, wie hier sehr schön zu sehen ist, die Felsen. Dabei sind die Moose erstaunlich anpassungsfähig. Sie können vollständig austrocknen. Regnet es wieder, nehmen sie Wasser über die gesamte Pflanzenoberfläche auf und regenerieren sich.
Flechten wie die ganz flache, weiß-gräuliche auf dem Felsen vor uns sind etwas ganz Besonderes. Wussten Sie, dass Flechten faszinierende Doppelwesen aus Algen und Pilzen sind? Algen und Pilze gehen hier eine sehr erfolgreiche Lebensgemeinschaft ein, die selbst extremen Standortbedingungen trotzen kann. Nur eines können Flechten nicht ertragen: schlechte Luft. Da Flechten sehr stark auf Luftverschmutzungen reagieren, können sie als lebende Messgeräte, sogenannte Bioindikatoren, eingesetzt werden. Genießen Sie auf den letzten Meter des Audiopfades also noch einmal die gute Luft  – und natürlich den wunderschönen Blick in den Schluchtwald Helle mit seinen naturnahen Wäldern, Bächen und Schluchten. 
Wie formulierte Franz Kafka anfangs:
„In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte“

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