7. Mitten im Schluchtwald

Wenn man an eine Schlucht denkt, fallen einem automatisch alte Karl May – Filme ein, in denen Winnetou und Old Shatterhand fiese Verbrecher durch enge, steile Schluchten jagen. Nicht nur als Filmkulisse, sondern auch aus ökologischer Sicht sind Schluchten spektakulär. An diesem speziellen Standortwachsen Schluchtwälder–sie machen nur einen Bruchteil der Landeswaldfläche aus und sind in Nordrhein-Westfalen sehr selten. Typisch für Schluchtwälder sind kühle, schattige und enge Täler mit jeder Menge Wasser und einer hohen Luftfeuchtigkeit. Die Nordhänge sind feucht, rutschig und häufig instabil. Blockschutt bedeckt sie–das sind Gesteinsbruchstücke, entstanden durch Verwitterung und Erosion. Aus dem Blockschutt ragen auch schon mal hohe Felsklippen heraus. Selbst im Mai sollte man sich hier noch warm anziehen, denn Spätfröste sind keine Seltenheit. 
Vor eben diesen schwierigen Lebensbedingungen kapituliert selbst die sonst so konkurrenzstarke Buche und wird von anderen Baumartenverdrängt. Dazu zählen der Berg-Ahorn, aber auch Eschen und Berg-Ulmen. Diese sogenannten Edelhölzer bilden im Gegensatz zur Buche einen relativ lichten Laubschirm. So kann sich am Bodeneine üppige Krautschicht entwickeln. Hier fühlen sich Arten wie die bereits erwähnte Mondviole zu Hause, außerdem die Weiße Pestwurz und der Hain-Gilbweiderich. In unmittelbarer Gewässernähe gedeiht auch das Milzkraut mit seinen gelb-grünlich Blüten. 

-