6. Die Kraft des Wassers

„Wasser rauscht aus Felsenklüften
Als Gesang herab zum Tale,
Perlt als Tau aus Morgenlüften
In der Blumen Duftpokale.“
Der Dichter Karl Egon Ebert, der auf so schwärmerisch-romantische Art mit dem Thema Wasser spielt, würde sich hier bestimmt wohl fühlen. Denn Wasser ist im Schluchtwald allgegenwärtig. 
Es hat die Landschaft zu dem gemacht, was sie heute ist. Der vor uns liegende Gebirgsbach Helle und seine zahlreichen, aus den umliegenden Felsen entspringenden Zuflüsse, haben sich über Millionen von Jahren tief in das Gestein eingeschnitten. 
Mit ihrem wilden, strukturreichen Verlauf ist die Helle beispielhaft für ein naturnahes Gewässer im Mittelgebirge – und steht daher auch per Gesetz unter Schutz. Die Dynamik des Wassers verändert sich mit den Jahreszeiten. Abgestürzte Bäume und Totholz, aber auch das Gestein sind ihm bedingungslos ausgeliefert. Dabei entstehen im und am Wasser Lebensräume für häufig seltene Pflanzen und Tiere. Diese Lebensräume sind höchst vielfältig: Neben den abgestürzten Baumstämmen gibt es Schotterbänke und überspülte Gesteinsblöcke verschiedenster Form. Zusammen bewirken sie ein buntes Strömungsmosaik von ruhigen bis schnell fließenden Wasserbereichen. Das Wasserbesitzt dabei eine überall relativ gleichbleibend kühle Temperatur. 
Hier im feuchten, kühlen Klima der Schluchten und Hänge konnte sich eine ganz besondere Waldgesellschaft entwickeln: der Schluchtwald, von dem wir später noch mehr hören werden.
Halten Sie aber noch einen Moment inne; setzen Sie sich vielleicht auf einen durch die Kraft des Wassers abgeflachten Stein am Ufer! Erfrischen Sie ihre Füße im kühlen Wasser und genießen Sie diesen ruhigen, ganz besonderen Ort!

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