1. Die Mondviole im Schluchtwald

Haben Sie es bemerkt? Beim Hinabsteigen der Treppe wurde es merklich kühler. Im Sommer ist dies sehr erfrischend. Wer sich im Winter hier herwagt, ist sowieso gut ausgerüstet. Warum aber ist es hier kühler als in anderen Wäldern? 
Wenn Sie in die Schlucht vor sich blicken, können Sie einen ersten Eindruck davon gewinnen, was sie in den nächsten 1,5 Stunden entlang des Audiopfades erwartet: Tiefe Täler mit steilen, felsigen Wänden, rauschendes Wasser und Wald – sehr viel Wald!
Die Wälder hier sind etwas ganz besonders. Es sind Schluchtwälder und Buchenwälder. Sie bieten einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten Lebensraum, sie sind alt und sehr gut erhalten. Um sie zu schützen, wurden sie sogar zum europäischen Schutzgebiet mit dem etwas sperrigen Namen „FFH-Gebiet“ ausgewiesen.  „FFH“ steht dabei für „Flora“, „Fauna“ und „Habitat“, also Pflanzen, Tiere und Lebensräume. Als FFH-Gebiet sind die Wälder Bestandteil eines europaweiten Netzes von Schutzgebieten, das als „Natura 2000“ bezeichnet wird. 
Hier am Hang wächst bereits eine typische Art des Schluchtwaldes –das spitzblättrige Silberblatt, auch Mondviole genannt. Im Mai bis Juni bedecken ihre hell-lila-farbenen, aromatisch duftenden Blüten ganze Hänge. Schnuppern Sie einmal daran! Die Früchte sind ab dem Spätsommer zu sehen. Sie besitzen eine durchscheinende silbrige Scheidewand und rascheln leise im Wind. Den Gartenfreund erinnert die Mondviole  vielleicht an eine nahe Verwandte – das rundblättrige Silberblatt, das auch in Trockensträußen Verwendung findet. 
Häufig kann man auf der Mondviole auch einen Gast beobachten: den Mondviolenglanzkäfer. Er ist ca. 3 mm groß, metallisch-grün gefärbt und lebt ausschließlich auf und von der Mondviole. 
Prägen Sie sich die Mondviole gut ein – Sie wird Ihnen auf der Wanderung immer wieder begegnen! Wir vom Rothaarsteigverein wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Erkunden des Schluchtwalds. 

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