9. Blick zum großen Stein

Die Landschaften, die sich uns heute auf der Erde darbieten, sind das Ergebnis einer jahrmillionenlangen Entwicklung. Ganze Landstriche wurden hochgehoben, an anderer Stelle senkte sich der Boden. Wo sich vormals Meere erstreckten, falteten sich Gebirge auf. Sie verwitterten und wurden wieder abgetragen. Der Antrieb dieser dauernden Umgestaltungsvorgänge liegt tief im Erdinneren verborgen. Die Erdkruste, auf der sich unser Leben abspielt, reicht im Bereich der Kontinente ca. 30 bis 50 km tief. Sie schwimmt auf dem heißen, zähplastischen Magma des Erdmantels. 
Man nimmt an, dass Strömungen im Bereich der Magmazone die Erdkruste in Bewegung setzen. Dort, wo sie weniger stabil ist, können Schlote entstehen. Durch sie wird Magma bei vulkanischen Eruptionen an die Erdoberfläche befördert.
Im Jungtertiär, vor etwa 5 bis 25 Millionen Jahren, geschah genau das. Ein intensiver Vulkanismus erfasste weite Teile Mitteleuropas, so auch das Rheinische Schiefergebirge. Zahlreiche vulkanische Schlote bahnten sich einen Weg durch das Gestein. Langsam kühlte das Magma in den Schloten ab. Durch Auskristallisation entstanden die typischen Basaltsäulen, wie Sie sie zum Beispiel im Naturschutzgebiet „Mahlscheid“ bei Neunkirchen bewundern können. Auch der „Große Stein“ entstand auf diese Weise! In seinem Fall verwitterte im Laufe der Zeit das Gestein, das den Basaltschlot umgab. Dadurch wurde der härtere Basalt  freigelegt. Während der Eiszeit waren die Basaltsäulen Wind und Wetter ausgesetzt, der Frost sprengte sie auf, [Krachen]  – und sie zerbarsten zu Blöcken. Die Halde, wie sie bis heute überdauert hat, entstand.  
Die kegelförmige Basaltkuppe erreicht heute eine Höhe von 546 m. Der Osthang ist zum großen Teil frei von Bäumen. Denn die Feinerde, die der Vegetation Halt geben könnte, wurde in den steilen Bereichen ausgewaschen. Auf den Blöcken hat sich stattdessen eine artenreiche Moos- und Flechtenflora eingestellt. Auf den offenen, besonnten Felsen leben spezielle Spinnen, Insekten oder Reptilien, die an diesen seltenen und wertvollen Lebensraum angepasst sind.  
Basalt ist ein Silikatgestein. Natürliche Silikatschutthalden wie hier am „Großen Stein“ sind ein für Nordrhein-Westfalen ausgesprochen seltener Lebensraum und gelten als gefährdet.

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