5. Geordnetes Chaos - der Ameisenhaufen

Wenn sie sich umsehen, fallen Ihnen sicherlich die großen, hauptsächlich aus Fichtennadeln bestehenden Haufen auf. Hier waren und sind Ameisen am Werk. Wie Bienen, Hummeln und Wespen zählen die Ameisen zu den Hautflüglern – obwohl die meisten Tiere ohne Flügel daherkommen! Man schätzt, dass es weltweit 15.000 Arten gibt. Davon leben lediglich rund 160 in Mitteleuropa. 
Ameisen bilden individuenreiche soziale Gemeinschaften, sogenannte Staaten, die sich meist aus drei Kasten zusammensetzen. Die am meisten in Erscheinung tretende Kaste sind sicherlich die weiblichen Arbeiterinnen. Sie sind flügellos und steril. Emsig schwärmen sie auf der Suche nach Nahrung oder nach Baumaterial in die Umgebung aus. 
Die Kasten der männlichen und weiblichen Geschlechtstiere sind beflügelt. Nur für den Hochzeitsflug verlassen sie das Mutternest. Nach der Paarung sterben die Männchen. Die Weibchen hingegen machen einen Ausbreitungsflug, um als Ameisenkönigin eine neue Kolonie zu gründen.
Die Nester der Waldameisen, wie sie hier zu sehen sind, bestehen aus einem mehrere Etagen tiefen Erdnest und dem darüber aufgehäuften Hügel. Der Hügel dient in beschatteten Lagen als Sonnenkollektor und bei Bodennässe als trockene Ausweichwohnung. Die Eier und Larven werden jeweils in die Etage umgelagert, die für die Brutentwicklung gerade am günstigsten ist.
Die Bedeutung der Ameisen für unsere Ökosysteme ist beträchtlich. Sie können – je nach Art – mehrere Tonnen Boden pro Hektar umschichten; die Gärtner unter Ihnen werden jetzt missvergnügt nicken. Wichtig ist, dass die Tiere so ganz nebenbei auch für die Durchlüftung und Durchmischung des Bodenmaterials sorgen. In ihren Nestern reichern sie den Boden mit Nährstoffen an. Sie zerkleinern Totholz und andere organische Materialien; damit sind sie Vorarbeiter für weitergehende Abbauprozesse. Aufgrund ihres großen Nahrungsbedarfs treten sie – gerade auch im Wald – als gerne gesehene Schädlingsbekämpfer auf. Und wer verbreitet die Samen von zahlreichen Pflanzenarten? Natürlich die Ameise.
Auch was ihr „Sozialverhalten“ betrifft, ist diese Tiergruppe hochinteressant. Manche Arten halten sich versklavte Hilfsameisen, andere parasitieren in fremden Nestern. Wieder andere Arten halten sich Weidevieh. Vielleicht haben sie schon einmal eine Herde Blattläuse gesehen, die von Ameisen umlagert war und gedacht: Na, da wird jetzt unter den Blattläusen aufgeräumt? Falsch gedacht! Das waren im übertragenen Sinne die Milchkühe und ihre Hirten. Ameisen schätzen den Honigtau, die süße Absonderung der Blattläuse. Sie tragen die Blattläuse zu ergiebigen Weidegründen, beschützen sie vor Feinden und melken sie regelrecht, um einen süßen Tropfen zu erhalten!

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