4. Das Siegerland - Reich der Quellen

Haben Sie schon das kleine Rinnsal entdeckt, das den Weg in einem Rohr unterquert?  Es handelt es sich um einen von mehreren Quellbächen, die an dem Höhenzug „Die Höh“ entspringen.
Das Siegerland ist ausgesprochen reich an Quellen. Dies hat mehrere Gründe. Das Gestein im Untergrund besteht im Wesentlichen aus Grauwacke und Tonschiefer. Es ist aus Sedimenten, also Ablagerungen, entstanden und kann nur wenig Wasser speichern. Es sammelt sich nur in Klüften und Spalten. Trifft eine Wasser führende Kluft auf eine undurchlässige Schicht, so versickert das Wasser nicht tiefer in den Boden, es staut sich und kann als Quelle zu Tage treten. Da sich die Gesteinsschichten meist über weite Bereiche erstrecken, tritt das Grundwasser an mehreren Stellen ans Tageslicht; es bilden sich  sogenannten „Quellhorizonte“, wie Sie auf dem weiteren Weg feststellen können. 
Eine weitere Voraussetzung für den Reichtum an Quellen im Siegerland ist der ausgiebige Niederschlag. Es fällt mehr Regen und Schnee, als gleich wieder verdunstet. Und der Niederschlag ist über das ganze Jahr mehr oder weniger gleich verteilt, so dass die Bäche alle 12 Monate lang Wasser führen. 
Bäume stellen unterschiedliche Ansprüche an den Boden, in dem sie wachsen. Hier im Quellbereich kann die Schwarzerle gut gedeihen. Denn sie besitzt die Fähigkeit, mit ihren Wurzeln in ständig wassergesättigte Bereiche zu wachsen, obwohl dort kein Sauerstoff zur Verfügung steht. Ja, Sauerstoff! Denn ein Baum nimmt über die Wurzeln Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab – genau umgekehrt verläuft es bekanntlich bei den Blättern. 
Poren an der Stammbasis der Schwarzerle ermöglichen ihr die Aufnahme von Sauerstoff, auch wenn die Wurzeln überstaut sind. 
Aber die Schwarzerle kann noch mit weiteren Besonderheiten aufwarten. Bäume benötigen den Nährstoff Stickstoff zum Überleben. Normalerweise ziehen sie ihn aus dem Boden. Die Schwarzerle arbeitet für ihre Stickstoffversorgung mit Bakterien zusammen, die in Knöllchen an den Erlenwurzeln leben. Die Erle versorgt die Bakterien mit Zuckerlösung aus der Photosynthese, und die Bakterien versorgen den Baum mit Stickstoff, den sie direkt aus der Luft binden. Die Schwarzerle kann also auch dort gut wachsen, wo der Boden nicht ausreichend mit Stickstoff versorgt ist. 
Auch die Blätter der Schwarzerle sind erwähnenswert! Sie sind regelrechte Photosynthesefabriken mit einem entsprechend hohen Lichtbedarf. Der hohe Stoffumsatz ermöglicht ein rasches Wachstum der Erlen im Jugendalter. Und – auch das ist auffällig: Erlen werfen ihre Blätter grün ab. Alle anderen laubabwerfenden Bäume ziehen die Nährstoffe vor dem Blattfall aus den Blättern, was dann die bunte Herbstfärbung bewirkt. Die Schwarzerle ist hingegen so gut mit Stickstoff versorgt, dass sie solche Sparmaßnahmen nicht nötig hat. Ihre stickstoffreiche Laubstreu wird rasch zersetzt und ist ein wichtiger Nährstofflieferant für die Tiere in den Gewässern.

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