8. Ein Blick über die Ginsberger Heide

Von alters her wurde das Grünland der Ginsberger Heide und der angrenzenden Schrammer Heide bewirtschaftet. Zunächst nutzten es die Bewohner des ehemaligen Ortes Wehbach, wo bis zum 30-jährigen Krieg ein Viehhof bestand; später trieben die umgebenden Gemeinden ihr Vieh zum Weiden hier her. 
Da weite Bereiche der Heideflächen vermoort waren, führte man im Lauf der Zeit auf etwa 12 ha der Gesamtfläche Entwässerungsarbeiten durch. Im Jahr 1943 wurde die Schrammer Heide dann unter Naturschutz gestellt, die Ginsberger Heide erst im Jahr 2004. Nachdem ihre Beweidung wirtschaftlich uninteressant wurde, bepflanzte man einen Teil der Flächen mit Fichten – obwohl es sich doch bereits um ein Naturschutzgebiet handelte! Heute ist die Ginsberger Heide wieder weitgehend von Fichten freigestellt; von mehreren Stellen aus können Sie sie überschauen. 
Von hier aus blicken Sie auf gleich drei verschiedene geschützte FFH-Lebensraumtypen: Borstgrasrasen, Niedermoor und Moorwald. Mit Borstgrasrasen und Magerrasen sind die trockeneren Bereiche der Heide bewachsen. Feuchte und nasse Senken ziehen sich den Hang hinunter. Hier fließen kleine Quellbäche, und in den Uferbereichen gedeihen Hochstaudenfluren. Von weitem fällt das weiß blühende Mädesüß auf 
Das Herzstück der Ginsberger Heide ist das Niedermoor. Dort gedeihen das Schmalblättrige Wollgras und das besonders seltene Scheidige Wollgras, erkennbar an den wollig-weißen Fruchtständen. Pfeifengras reckt seine Halme in die Höhe – sie scheinen auf den ersten Blick fast  knotenlos zu sein, weil alle Knoten am unteren Ende eine Verdickung bilden! Die dünnen Halmabschnitte waren zum Reinigen langstieliger Pfeifen geeignet, daher der Name „Pfeifengras“.  Auch das hell-violett blühende Sumpfveilchen wächst hier. 
An die Moorwiesen grenzt ein Birkenmoorwald an. Er „stockt“, also wächst auf Torf, und der Boden ist über das ganze Jahr versumpft. Auf diesem extrem sauren und nährstoffarmen Standort bildet die Karpatenbirke eine lückige Baumschicht. Die Krautschicht besteht zum großen Teil aus Moosen, vor allem Torfmoose wachsen hier. Birkenmoorwald ist eine seltene Waldform. 
Auf den zahlreichen Weidenbüschen, die die Grünlandflächen gliedern, können Sie im Sommer vielleicht den Neuntöter beobachten. Das Männchen sitzt bei gutem Wetter oft auf den oberen Zweigen der Büsche und singt.
Mit Glück können Sie auch den seltenen Feldschwirl vernehmen.

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