7. Zwei Schluchtbewohner - Ahorn und Silberblatt in der Hohlsterzenbach-Schlucht

Von der Brücke haben Sie einen guten Blick in die Hohlsterzenbach-Schlucht. An den Hängen des steil eingeschnittenen Kerbtals hat sich ein sogenannter Schlucht- oder Schatthangwald eingestellt. Schlucht- oder Schatthangwälder wachsen auf Rohböden, also Böden, die noch kaum verwittert sind. Im Untergrund findet sich lockeres Material aus Felsen, Steinschutt oder Lehm. Die Wasser- und Nährstoffversorgung in einem Schluchtwald ist gut, die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Aufgrund der Besonderheit ihres Standortes sind Schlucht- oder Schatthangwälder selten und daher auch als FFH-Lebensraum geschützt.
Bergahorn und Esche sind hier die bestandsbildenden Bäume. Vor allem der Bergahorn benötigt eine ausreichende Wasserversorgung und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Denn seinen breiten, weichen Blättern fehlt eine derbe Wachsschicht als Verdunstungsschutz. 
Sowohl Bergahorn als auch Esche wachsen in ihrer Jugend sehr schnell. Deshalb kommt die Buche, für die der Standort eigentlich auch geeignet wäre, nicht zur Vorherrschaft. Sie wird von Ahorn und Esche überwachsen! 
In der Krautschicht fällt – je nach Jahreszeit – eine hochwachsende, rosa-blühende Pflanze auf. Stellenweise bildet sie große Bestände. Es handelt sich um die Mondviole. Diese Pflanze hat große, herzförmige, weiche Blätter. Wie alle Kohlpflanzen hat sie vier-zählige Blüten, also Blüten mit vier Blütenblättern. Im Herbst erscheinen silbrig glänzende, flache Früchte, die der Mondviole auch den Namen Silberblatt eintrugen. Die Mondviole ist eine typische Art der Schlucht- oder Schatthangwälder und ebenso selten wie diese. Sie benötigt gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Böden und einen schattigen, luftfeuchten Standort.
In unseren Gärten gedeiht eine Verwandte, und zwar das einjährige Garten-Silberblatt. Es wird gerne als Zierpflanze in Bauerngärten gezogen. Seine Früchte sind eher rund, während die der Mondviole elliptisch sind.

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