5. Die Waldquelle

Das Rothaargebirge ist reich an Quellen – wieso ist das so? Das Gestein besteht hier im Wesentlichen aus Grauwacke und Tonschiefern. Es entstand durch die Ablagerung von Sedimenten und kann nur wenig Wasser speichern. Dieses sammelt sich in Klüften und Spalten. Trifft eine Wasser führende Kluft auf eine undurchlässige Schicht, so versickert das Wasser nicht tiefer in den Boden, es staut sich und kann als Quelle zu Tage treten. Meist handelt es sich um eine Sickerquelle, also eine kleine sumpfige Stelle im Gelände.  Da die Gesteinsschichten oft über weite Bereiche reichen, tritt das Grundwasser an mehreren Stellen aus, gemeinsam bilden sie sogenannte Quellhorizonte. Anschließend sammelt sich das Wasser in kleinen Quellbächen.
Neben der Bodenbeschaffenheit ist der reichliche Niederschlag eine Voraussetzung für den Reichtum an Quellen. Im Rothaargebirge fällt mehr Regen und Schnee, als gleich wieder verdunsten kann. Und der Niederschlag ist über das ganze Jahr mehr oder weniger gleich verteilt, so dass die Bäche immer Wasser führen. Allerdings kann es passieren, dass in ganz trockenen Sommern die Oberläufe einmal trocken fallen. Dies liegt eben daran, dass das Gestein im Untergrund nur wenig Wasser speichern kann.
Auch wenn sie nur unscheinbar sind: Quellen sind ganz besondere Lebensräume. Zunächst einmal ist da die Wassertemperatur. Die Temperatur von Quellen liegt in Mitteleuropa über das ganze Jahr bei etwa 7 °C. Das heißt, im Winter sind sie wärmer als die Umgebung und frieren deshalb nicht zu, im Sommer ist das Wasser hingegen vergleichsweise kühl. Quellwasser ist sehr sauber und nährstoffarm. Zahlreiche Tiere sind an den Lebensraum Quelle angepasst, beispielsweise finden sich hier winzige Quellschnecken, Erbsenmuscheln oder Strudelwürmer sowie Insektenlarven und kleine Krebstiere.
An Quellen stellt sich oft eine besondere Flora ein. Hier im Wald sorgt die Beschattung für eine eher schüttere Pflanzenbedeckung. Einige niedrige Krautpflanzen sind an Waldquellen angepasst. Da ist beispielsweise das Bittere Schaumkraut zu nennen oder das Gegenblättrige Milzkraut. Quellen gelten als geschützte Biotope, weil sie eine typische Flora oder Fauna aufweisen. 

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