2. Das Totholz - ein spannender Lebensraum!

Wenn Sie hier so um sich schauen ... sieht es irgendwie unaufgeräumt aus: Dicke Baumstämme liegen am Wegesrand, aus ihnen wachsen Pultpilze. Im Wald unterhalb des Weges liegen lauter Baumleichen herum, ein dicker toter Stamm steht – seiner Äste beraubt –  wie ein Mahnmal da... Der Anblick ist sicher gewöhnungsbedürftig, aber: Solch großvolumiges Totholz  – also Totholz aus dicken Stämmen und Ästen – entsteht in einem natürlichen Wald ständig. Denn da dürfen Bäume alt werden und eines natürlichen Todes sterben. In einem bewirtschafteten Wald werden die Bäume vorher gefällt und das Holz wird aus dem Wald entfernt, um es zu verwerten.
Wie Sie auf der Info-Tafel sehen, sind viele Organismen auf den Lebensraum „Totholz“ angewiesen – Kleinsäuger, Vögel, zahlreiche Insekten und viele andere Tierarten. Bei den Pflanzen wären Pilze, Flechten, Moose und Farne zu nennen. Viele dieser Arten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten, die von der Weltnaturschutzunion veröffentlicht wird. 
Obwohl Totholz also für die Waldökosysteme eine enorme Bedeutung hat, ist sein Anteil in Wirtschaftswäldern sehr gering. Bis in die 1990er Jahre galt noch die Grundregel der „sauberen Waldwirtschaft“. Zum einen wollte man möglichst alles Holz nutzen, zum anderen eliminierte man totes Holz als vermeintliche Brutstätte für Forstschädlinge. 
Totholz ist dabei nicht nur ein Lebensraum, es ist ein wichtiger Teil der Stoffkreisläufe im Wald. Intensive Holznutzung kann hingegen auf lange Sicht die Fruchtbarkeit des Waldbodens verringern. Anders im Totholz: Holzzersetzende Organismen sorgen dort dafür, dass die in Ästen und Stämmen gespeicherten Nährstoffe wieder freigesetzt und den lebenden Pflanzen zur Verfügung gestellt werden. Wichtig ist auch, dass der im Holz enthaltene Kohlenstoff in Form von Humus in den Boden eingelagert wird – anstatt etwa verbrannt zu werden und in der Atmosphäre zur Klimaerwärmung beizutragen.
Mittlerweile versucht man, die Entwicklung in Richtung natürliche Waldbewirtschaftung umzulenken. In einigen Bundesländern entwickelt man Konzepte zur nachhaltigen Bereitstellung von Alt- und Totholz im Wirtschaftswald. Leider hapert es noch an der flächendeckenden Umsetzung.

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