9. Mehr als Wasser: der Bach

Natürlicherweise fließen Bäche durch einen geschlossenen Auwald. Hier schlängelt sich der Bach jedoch durch Grünland, und nur einzelne Bäume stehen an seinem Ufer. Der Rasen reicht bis unmittelbar ans Wasser heran. Das Blatt- und Wurzelwerk der dichten Rasen- und Röhrichtvegetation schützt die Ufer besser vor Abspülung als der schüttere Bewuchs des Waldbodens. Die Bäche im Grünland sind daher schmaler und werden immer tiefer. Denn die Kraft des Wassers wirkt hier nicht seitwärts, sondern mehr nach unten.
Wasser und Ufervegetation bilden ein dynamisches System. In ihm beeinflussen sich alle Bereiche gegenseitig so lange, bis ein natürlicher "Reifezustand" erreicht ist. Ufergehölze stabilisieren das Bachbett und sorgen damit für ein möglichst breites, ungleichförmiges und flaches Gewässerbett. Zugleich beschatten sie das Wasser und bewirken damit niedrige Temperaturen. Das fließende Wasser formt das Gewässerbett, indem es einerseits Material abträgt, andererseits Ablagerungen mit sich bringt – Wasser bewirkt Erosion und  Sedimentation. 
In so einem Bach lebt eine große Anzahl verschiedenster Tiere. Da gibt es nicht nur Fische, sondern auch Plattwürmer, Ringelwürmer, Schnecken oder kleine Krebstiere. Und die zahllosen Insektenlarven: Steinfliegen, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Mücken, Käfer – viele nutzen den Bach als turbulente Kinderstube. Sie schätzen das  kühle, sauerstoffreiche und saubere Wasser und verlassen es erst als erwachsene Tiere. Wovon leben die? Viele Wasserpflanzen gibt es in einem Bergbach nicht, dafür ist die Strömung zu heftig. Weidegänger weiden Algen von den Steinen und Bachflohkrebse zerschreddern in den Bach gefallene Blätter. Wieder andere Tiere bauen filigrane Netze und fangen Schwebstoffe auf. Da gibt es die tollsten Anpassungen an die Strömung: ganz flache Eintagsfliegenlarven mit Spoiler vorne am Kopf, Mückenlarven mit Saugnäpfen oder Hakenkränzen zum Festhalten, oder Köcherfliegenlarven, die ihre Köcher mit Steinchen beschweren. Und schließlich gibt es natürlich räuberisch lebende Organismen, die Jagd auf andere Bachbewohner machen. 
Und alle diese Tiere tragen zur Selbstreinigung eines Gewässers bei!
Je sauberer und sauerstoffreicher ein Bach ist, desto artenreicher ist das sogenannte Makrozoobenthos. Damit sind die Tiere gemeint, die am Gewässerboden leben und so klein sind, dass die größten unter ihnen gerade so mit dem Auge erkennbar sind. Anhand der Besiedlung mit bestimmten Tierarten lässt sich sogar die Gewässergüte bestimmen. Durch menschliche Einflüsse und Eingriffe sind die Bäche heutzutage allerdings stark überformt. Deshalb hat der Gesetzgeber die noch natürlichen oder zumindest naturnahen Fließgewässerabschnitte unter Naturschutz gestellt.

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