8. Von Bächen und Auen

Der Weg führt uns nun entlang eines Bach-Auwaldes. Er gilt als gesetzlich geschütztes Biotop. Die Schwarzerle, der wir hier begegnen, ist das charakteristische natürliche Ufergehölz der Mittelgebirgsbäche. 
Auwälder sind die natürliche Vegetationsform entlang von Bächen und Flüssen. Prägend sind dort hohe Grundwasserpegel und immer wiederkehrende Überflutungen. Je nach Dauer und Häufigkeit der Überflutungen stellen sich unterschiedliche Waldgesellschaften ein. Die Schwarzerle gedeiht an den relativ häufig überschwemmten Ufern und an den Talrändern. Damit sind die Übergänge zwischen Berghang und Tal gemeint, wo  das vom Hang herabströmende Wasser „ausgebremst“ wird und oft quellig-nasse Bereiche entstehen. Die Schwarzerle besitzt die Fähigkeit, mit ihren Wurzeln in solch ständig wassergesättigte Bereiche zu wachsen, obwohl dort kein kaum Sauerstoff zur Verfügung steht. Ja, Sauerstoff! Denn ein Baum nimmt über die Wurzeln Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab  – genau umgekehrt verläuft es bekanntlich bei den Blättern.  Poren an der Stammbasis ermöglichen der Schwarzerle einen Gasaustausch, auch wenn die Wurzeln überstaut sind. 
Bäume benötigen den Nährstoff Stickstoff zum Überleben, den sie normalerweise dem Boden entziehen. Die Schwarzerle arbeitet für ihre Stickstoffversorgung mit Bakterien zusammen, denen sie in Wurzelknöllchen eine Heimstatt gibt. Die Erle versorgt die Bakterien mit Zuckerlösung aus der Photosynthese,  und die Bakterien versorgen den Baum mit Stickstoff, den sie direkt aus der Luft binden. Die Schwarzerle kann also auch dort gut wachsen, wo der Boden nicht ausreichend mit Stickstoff versorgt ist.
Nicht zuletzt die Blätter der Schwarzerle sind erwähnenswert! Sie sind regelrechte Photosynthesefabriken mit einem entsprechend hohen Lichtbedarf. Der hohe Stoffumsatz ermöglicht ein rasches Wachstum der Erlen im Jugendalter. Und – auch das ist auffällig: Erlen werfen ihre Blätter grün ab. Alle anderen laubabwerfenden Bäume ziehen die Nährstoffe vor dem Blattfall aus den Blättern, was dann die bunte Herbstfärbung bewirkt. Die Schwarzerle ist hingegen so gut mit Stickstoff versorgt, dass sie solche Sparmaßnahmen nicht nötig hat. 
Der Auwald nimmt hier, im engen oberen Talbereich nur einen schmalen Streifen entlang des Baches ein. Die früheren, ausgedehnten Auwälder in den breiten Talauen weiter bachabwärts sind weitgehend verschwunden. Man hat sie gerodet, entwässert, die Gewässer begradigt und den Urwald in Kulturland umgewandelt. Dabei sind Auwälder immens wichtig für den Hochwasserschutz. Das Wasser hat hier Platz zum Ausufern, die Fließgeschwindigkeit verlangsamt sich. Und natürliche Auwälder sind sehr artenreich. 
Die höher liegenden und nur episodisch überschwemmten Talbereiche nehmen Bäume ein, die nur eine kurzzeitige Überschwemmung ertragen, z.B. Eichen, wie Sie sie einige Schritte talabwärts sehen können.

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