7. Das Rothaargebirge - das Reich der Quellen und Bäche

Sind Ihnen in der vor uns liegenden Weide schon die flachen, sumpfigen Rinnen aufgefallen? Dies sind kleine Quellbäche und Sickerquellen. Im ganzen Gebiet finden sich immer wieder solche Quellbereiche – man spricht von einem „Quellhorizont“.  Quellen und ihre unmittelbare Nachbarschaft sind übrigens grundsätzlich gesetzlich geschützte Biotope. 
Wieso gibt es aber im Rothaargebirge so viele Quellen und Bäche? In jedem noch so kleinen Tälchen entspringen Quellen, und kleine Rinnsale fließen zu größeren Bächen zusammen, wie wir auch auf der vor uns liegenden Weidefläche sehen können. Dies hat mehrere Gründe. Die Gesteine im Untergrund können nur wenig Wasser speichern. Es sammelt sich  in Klüften und Spalten. Trifft eine Wasser führende Kluft auf undurchlässigen Tonstein, so versickert das Wasser nicht tiefer in den Boden, sondern staut sich und kann als Quelle zu Tage treten. 
Eine weitere Voraussetzung für die vielen Quellen ist der reichliche Niederschlag. Im Rothaargebirge fällt mehr Regen und Schnee, als gleich wieder verdunstet. Und der Niederschlag ist über das ganze Jahr mehr oder weniger gleich verteilt. Allerdings kann es passieren, dass in ganz trockenen Sommern die Oberläufe einmal trocken fallen. Dies liegt eben daran, dass das Gestein im Untergrund nur ein geringes Wasserspeichervermögen hat. Es gibt also nur wenig Grundwasser. 
Im Siegerland gibt es fast nur unspektakuläre Sickerquellen: kleine sumpfige Stellen im Gelände, deren Wasser sich in kleinen Quellbächen sammelt. Aber auch wenn sie nur unscheinbar sind, Quellen sind ganz besondere Lebensräume. Zunächst einmal ist da die Wassertemperatur. Sie beträgt in Mitteleuropa das ganze Jahr über etwa + 7 °C. Das heißt im Winter sind Quellen wärmer als die Umgebung und frieren deshalb nicht zu, im Sommer ist das Wasser hingegen vergleichsweise kühl. 
Quellwasser ist sehr sauber und nährstoffarm. Zahlreiche Tiere sind an den Lebensraum Quelle angepasst, beispielsweise finden sich hier winzige Quellschnecken, Erbsenmuscheln oder Strudelwürmer sowie Insektenlarven und kleine Krebstiere. 
An den Quellaustritten stellt sich oft eine besondere Flora ein. Hier im Offenland, wo durch den Tritt der Weidetiere zusätzlich offene, lichte Stellen entstehen, kann sich beispielsweise das Quellkraut ansiedeln, eine kleine, niedrige Polster bildende Pflanze. Früher war sie weit verbreitet, heute aber steht sie auf der Roten Liste gefährdeter Arten, die von der Weltnaturschutzunion veröffentlicht wird.

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