6. Vom "Hauberg" zum Weideland

Bei dem bislang gesehenen Grünland handelte es sich um Wiesen, also um gemähte Flächen. Die vor Ihnen liegende Gemeindeviehweide wird hingegen seit Jahren vom Vieh abgegrast. Eine Beweidung durch Tiere wirkt sich wesentlich anders auf die Pflanzen aus als eine Mahd: Tiere verbeißen nur bestimmte Pflanzen und auch oft nicht die gesamte Pflanze, Beim Mähen hingegen verlieren die Pflanzen all ihre für den Stoff- und Energiehaushalt notwendigen oberirdischen Organe. So führt eine Mahd zu einer Auslese – regenerationsfähige, schnell und hoch wachsende Gräser sind im Vorteil. 
Ursprünglich stand hier ein Buchenwald. Schon zur Zeit der Kelten, circa 500 v. Chr., nutzte man Buchen zur Herstellung von Holzkohle. Großen Flächen des Buchenwaldes wurden deshalb gerodet. Die Holzkohle benötigte man für die Verhüttung von Eisenerz. Das Wort Rodung findet sich auch im Namen „Rothaargebirge“. Der Name Rothaargebirge hat gar nichts mit „roten Haaren“ zu tun sondern bedeutet in etwa „Gerodetes Waldgebirge“.
Auf den gerodeten Flächen entstand ein Wald aus Eichen und Birken. Eichen und Birken haben die Fähigkeit, aus dem Wurzelstock wieder auszutreiben. So konnte man die Fläche als „Hauberg“ nutzen. Als „Hauberg“? Ja genau! In einem Hauberg werden die Bäume nach 16 bis 22 Jahren „abgehauen“, also auf den Stock gesetzt und schlagen dann wieder aus. Solche Stockaustriebe werden nicht so hoch wie ein normaler Baum, deshalb heißt diese Waldform auch Niederwald. Wenn Sie Laubwälder sehen, deren Baumbestand mehrstämmig ist, bei denen also mehrere Stämme aus einem Wurzelstock wachsen, handelt es sich sicher um Hauberge. Erst spät ordnete man den Haubergbetrieb mit Regeln: Die erste hierzu aufgestellte Forst- und Haubergsordnung datiert auf das Jahr 1553. 
In den ersten Jahren nach dem Fällen der Bäume säte man zwischen den Baumstümpfen Roggen oder Buchweizen. Nach einigen Jahren, wenn die Stockausschläge hoch genug gewachsen waren, nutzte man den Hauberg auch als Weide. Ein eigens dazu angestellter Hirte führte die Tiere jeden Morgen in den Hauberg und abends ging´s zurück in den Stall. Doch die Waldweide schadete dem Holzaufwuchs. Zugleich stellten die im Wald wachsenden Gräser und Kräuter nur ein unzureichendes Futter dar. Deshalb rodete man im 19. Jahrhundert ganze Haubergsflächen und legte große Viehweiden an. Die Rindviehhaltung bildete damals eine wichtige Existenzgrundlage der Leute. Das damals gehaltene Rote Höhenvieh war ein „Mehrnutzungsrind.“: Es gab gute Milch, man konnte es vor den Erntewagen und den Pflug spannen und schließlich lieferte es noch Fleisch und Leder. 
Der Hauberg hier ist aber erst im  Jahr 1940 gerodet worden, und es entstand der sogenannte „Weidkamp“. Heutzutage wird er nach Vorgaben des Kulturlandschaftsprogramms extensiv bewirtschaftet. Das heißt, dass nur eine begrenzte Zahl von Tieren gleichzeitig weiden dürfen; außerdem darf nicht gedüngt werden. Darum wachsen hier noch selten gewordene Arten wie Arnika. Manche Stellen sind so mager, dass sich dort sogar Borstgrasrasen entwickelt haben.
Karl Heinz Ley erzählt Ihnen nun, wie der Hauberg zum Wiedeland wurde:

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