4. Die Goldhaferwiese - eine Mähwiese im Bergland

Mit zunehmender Höhenlage verändern sich die Wiesen. Die Temperaturen nehmen ab, die Vegetationszeiten werden kürzer. Der Schnee bleibt länger liegen und die Niederschläge steigen. Das hat natürlich Auswirkungen auf den Pflanzenbestand. Und ganz nebenbei wirkt sich die klimatische Ungunst natürlich auch ertragsmindernd aus. 
Hier im Gebiet befinden wir uns in einem Übergangsbereich. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Bergmähwiesen liegen Mähwiesen des Flach- und Hügellandes. Der Boden, aber auch die Bewirtschaftung bewirken die jeweilige Ausprägung des Grünlandes. 
Bergmähwiesen sind aufgrund von Überdüngung, zu früher und zu häufiger Mahd stark zurückgegangen. Sie werden daher als „stark gefährdet“ klassifiziert. Typisch für Bergwiesen ist der Goldhafer – im Vergleich zum Glatthafer, den wir tiefer im Tal gesehen haben, wächst er niedriger. Je nach Nährstoff- und Wasserversorgung finden sich auf Bergmähwiesen  attraktive, buntblühende Wiesenkräuter. Rosa Blütenstände von Wiesenknöterich, lila blühender Storchschnabel, weiß blühendes Wiesenlabkraut, gelber Pippau – es bietet sich ein buntes und abwechslungsreiches Bild. Das Heu solch artenreichen Wiesen ist für die Gesundheit von Rindern und für die Qualität der Milch viel vorteilhafter als Gras von artenarmen, überdüngten Wiesen. Artenreiches Futter erhöht beispielsweise den Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in Milch und Fleisch. 
Woher kommen aber unsere vielen Wiesenpflanzen, wenn Mitteleuropa doch eigentlich ein Waldland ist? Vor circa 11700 Jahren endete die letzte Eiszeit. Danach wanderten –  noch vor der Wiederbewaldung – viele unserer Graslandarten aus ihren Refugien zurück und konnten sich erneut ausbreiten. Auch in den sich später entwickelnden Urwäldern fanden die lichtliebenden Wiesenpflanzen Nischen. Das Mosaik der Wälder mit ihren Bäumen in verschiedenen Alters- und Zerfallsphasen bot immer wieder lichte Stellen. 
Außerdem ist anzunehmen, dass die großen Pflanzenfresser für Auflichtungen in den Wäldern sorgten. Zu nennen wären da Wisent, Auerochse oder Tarpan – ja, es gab tatsächlich auch Wildpferde bei uns!
Von den rund 200 Grasarten Mitteleuropas sind wahrscheinlich weniger als 5 % nicht einheimisch. Schon vor langer Zeit sind – wie vermutet wird – Breit- und Spitzwegerich eingewandert oder von umherziehenden Nomaden eingeschleppt worden. Vielleicht gilt das auch für den Glatthafer. Bei Pflanzen, die noch vor der Entdeckung Amerikas von Menschen in unsere Breiten eingeführt wurden, spricht man von Archäophyten. Im Gegensatz dazu haben sich Neophyten wie das Weidelgras erst in der Neuzeit eingefunden.

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