3. Die Glatthaferwiese - eine artenreiche Mähwiese

Vor sich sehen Sie eine Glatthaferwiese. Typisch sind hier hochwachsende Gräser wie Glatthafer, Wiesenschwingel und Knäuelgras – aufgrund ihrer Länge nennt man sie „Obergräser“. 
Glatthaferwiesen gedeihen auf Böden mit einem ausgeglichenen Wasserhaushalt. Die Böden sind nicht ständig nass, aber auch nicht zu trocken. Der Boden ist nährstoffreich – man spricht von sogenannten Fettwiesen. Falls sie nicht durch regelmäßige Überschwemmungen mit Nährstoffen versorgt werden, bedürfen diese Wiesen einer Düngung. Nur so kann der häufige Stoffentzug ausglichen werden, der durch das Mähen entsteht.  
Die Glatthaferwiesen hier wurden bis Mitte des 20ten Jahrhunderts als sogenanntes Drieschland bewirtschaftet. Um der Bodenermüdung entgegenzuwirken, wechselte man dabei  Feld- und Grasnutzung. Nach dem Umbruch des Grünlandes wurden auf dem Acker über drei  Jahre wechselnde Feldfrüchte angebaut: Im 1. Jahr Hafer, im 2. Jahr Kartoffeln, im 3. Jahr Roggen. Um wieder Grünland zu erhalten, säte man bei der letzten Fruchtfolge die sogenannte Heusaat ein – die Samen, die aus dem trockenen Heu ausgefallen waren und die sich im Heulager angesammelt hatten. Also konnte sich wieder artenreiches Grünland ansiedeln.
Früher war es üblich, eine Wiese ein bis zwei Mal im Jahr zu mähen. Die erste Mahd erfolgte im Juli, gedüngt wurde mit Jauche. Dies führte zu artenreichen, blumenbunten Wiesen, wie sie auch heute noch hier im FFH-Gebiet zu finden sind. 
Heutzutage verlangt die steigende Milchproduktion nach viel Futter mit pflanzlichem Eiweiß. Wiesen werden darum schon früh im Mai zum ersten Mal gemäht. Man düngt nicht mehr mit Jauche, sondern mit Gülle. 
Sie fragen sich, wo da der Unterschied sein soll? Jauche nennt man die Flüssigkeit, die sich in einem Misthaufen absetzt – sie enthält vergleichsweise wenig Stickstoff. Gülle hingegen ist eine zähflüssige Mischung aus Mist und Jauche. Sie ist so konzentriert, dass man  heute weniger von Düngung, sondern schon eher von Entsorgung der Gülle auf Äckern, Wiesen und Weiden sprechen muss! Der Unterschied offenbart sich auch in einer extrem intensiven Geruchsentwicklung….
Solch eine starke Düngung und häufiges Mähen vertragen viele Glatthaferwiesen nicht. Den Obergräsern bleibt oftmals nur der Rückzug an den Rand des Grünlandes, wo sie in Böschungen und Säumen oder unter Zäunen überdauern. Bunt blühende Wiesenkräuter wie Glockenblumen, Margeriten, Witwenblumen und viele andere verschwinden ebenfalls aus einer Intensiv-Wiese.
Alle diese Arten – einschließlich Orchideen – können Sie hier im Naturschutzgebiet noch finden. Dies ist dem Vertragsnaturschutz zu danken. Er gleicht den Verdienstausfall des Landwirts aus, der hier erst spät mähen und nicht oder nur eingeschränkt düngen darf. Denn der Lebensraumtyp „Glatthaferwiese“ gilt als „stark gefährdet“ und wurde daher als FFH-Lebensraum ausgewiesen.

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