1. Die Wiesen und Weiden der Gernsdorfer Weidekämpe

Der Rothaarsteigverein heißt Sie herzlich willkommen in der „Gernsdorfer Weidekämpe“. Erleben Sie auf unserer Wanderung an 8 Stationen einen typischen Ausschnitt einer alten bäuerlichen Kulturlandschaft. Bewundern Sie das größte Orchideenvorkommen Westfalens!  Von Ende Mai bis Mitte Juli blühen hier hunderttausende Orchideen! Die Gernsdorfer Weidekämpe ist ein sogenanntes FFH-Gebiet. In FFH-Gebieten schützt und erhält man – europaweit! – Flora, Fauna und Habitat, also Pflanzen, Tiere und Lebensräume. Man hat erkannt, dass sie von gemeinschaftlichem Interesse sind. 
Unter Schutz gestellt wurde die „Gernsdorfer Weidekämpe“ wegen ihren ausgedehnten, verschiedenartigen Grünlandtypen sowie den hier lebenden Tieren und Pflanzen. Wir finden –  je nach Standortbedingungen –  Nass- und Feuchtwiesen, Flachlandwiesen genauso wie Bergmähwiesen, Magerwiesen und -weiden. Hier gibt es sogar den  „Borstgrasrasen“, einen besonders schutzwürdigen FFH-Lebensraum! Im Verlauf der Wanderung werden Sie all diese verschiedenen Grünlandtypen und ihre Bewirtschaftung näher kennenlernen sowie mehr über einige typische Tier- und Pflanzenarten erfahren. 
In der Gernsdorfer Weidekämpe konnten zahlreiche seltene Pflanzen wie Arnika und mehrere Orchideenarten überleben; letztere bilden hier mit die größten Bestände Westfalens.  [Gezwitscher] Hier nisten die gefährdeten Wiesenbrüter Braunkehlchen, Wiesenpieper oder Wachtelkönig, hier lassen sich Vögel wie der Neuntöter und der Rotmilan beobachten. Auch Tagfalter wie den Ameisenbläuling können Sie entdecken.  Mit Naturschutzmaßnahmen versucht man, die Bestände zu sichern und zu erhalten.
Wussten Sie, dass Grünland in unserer Gegend ein reines Kulturprodukt ist? Würde keine Beweidung stattfinden oder würden die Wiesen nicht mehr gemäht werden, entstünde früher oder später wieder ein Wald. Das Grünland in unseren Breiten ist erst durch menschliches Wirtschaften entstanden. 
Das begann schon in der Steinzeit: Damals gingen die Jäger und Sammler zur sesshaften Lebensweise über, sie legten Siedlungen an und wurden zu Bauern. Ackerbau und Viehzucht sicherten ihre Ernährung. Haustiere wie Schafe, Pferde, Rinder oder Ziegen mussten allerdings auch versorgt werden! Sie benötigten im Sommer ausreichend Weidemöglichkeiten, zunächst im Wald. Als Winterfutter lagerte man getrocknete, beblätterte Zweige ein. Das Trocknen der „geschneitelten“, also abgeschnittenen Zweige geschah in luftigen und vor Regen geschützten „Lauben“ – bis heute kennt jeder den Begriff. 
Durch die Beweidung und Laubheu-Nutzung lichtete sich der Wald immer mehr auf, und den Waldboden bewuchsen mehr und mehr lichtbedürftige Gräser und Kräuter. Für die Weidetiere stellten sie eine bessere Nahrung dar, als der Wald zuvor hergegeben hatte. Daher forcierten die Hirten die Entwicklung der offenen Weideflächen. 
Im Gegensatz zu den Weiden konnten Wiesen, also gemähtes Grünland, erst mit der Entwicklung von notwendigem Werkzeug entstehen. Es gilt: „Ohne Sense und Heuernte keine Wiese!“

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