9. Rotwild damals und heute

Hier, im Wildgehege beim Forsthaus Hohenroth, können Sie Rotwild einmal so richtig beobachten. Wann haben Sie sonst Gelegenheit dazu? 
Der Rothirsch – eigentlich ein Bewohner offener und halboffener Landschaften – ist ein scheuer Waldbewohner geworden. Wieso ist das so? Die festgelegten Rotwildbezirke, die das Rotwild nicht verlassen darf, liegen im Wirtschaftswald. Im Fichtenforst gibt es aber nicht viel Futter, denn der Hirsch ist eigentlich Grasfresser, übrigens der letzte der großen Pflanzenfresser oder Megaherbivoren, die hier einmal heimisch waren. Denken Sie an Ur, Tarpan und Wisent. Ja, die gab es alle einmal hier, einschließlich Wolf, Luchs und Bär.
Ur und Tarpan sind mittlerweile ausgerottet worden, den Ur versucht man als Heckrind auferstehen zu lassen und das Waldwildpferd Tarpan als Dülmener Pferd. Aber das sind Züchtungen, die nur das äußere Erscheinungsbild betreffen, die Arten an sich sind ausgestorben. Sie galten als Konkurrenten der Nutztiere und als Schädlinge und wurden daher ausgerottet.
Auch das Ansehen des Rotwildes muss dringend aufpoliert werden. Bislang gilt der Rothirsch als Waldschädling. Das wird er aber erst dadurch, dass er auf bestimmte Waldgebiete beschränkt, auch noch vom 1. Juni bis zum 31. Januar - das sind 8 Monate - bejagt werden darf. Durch die fast ständige Bedrohung sind Hirsche nachtaktiv geworden. Sie kommen während der Jagdzeiten nur noch in stockdunkler Nacht aus der Deckung und verbergen sich tagsüber. In ihren Unterständen beginnen sie dann Bäume zu schälen und junge Triebe zu verbeißen und richten damit Schaden an. 
Dem wäre einfach abzuhelfen, würde man dem Rotwild ein artgerechtes Leben zugestehen. Dazu müsste ihm erlaubt sein, seinen Lebensraum selbst zu suchen, wie das andere Wildtiere auch tun. Es gibt auch keine Möglichkeit für die Tiere, weitere Wanderungen zu unternehmen, zum einen würden sie zwischen Winter- und Sommereinständen wechseln und zwischen den einzelnen Rotwildgebieten. Dies wäre wichtig, um einen genetischen Austausch zwischen den Rudeln zu ermöglichen und die Wilddichten zu regulieren. Naturnahe Waldbewirtschaftung würde die Nahrungsgrundlagen – übrigens nicht nur des Rotwilds – zusätzlich verbessern. 
Beachten Sie bitte auch die informativen Schautafeln, die über die Biologie des Rotwilds aufklären.

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