7. Unterwegs im Buchenwald

Von Ihrem Standort sehen Sie in einen typischen Hainsimsen-Buchenwald hinein. Hier herrscht die Rotbuche vor; ihr wissenschaftlicher Name lautet Fagus sylvatica. Das Hauptareal der Buchenwälder liegt im westlichen und südwestlichen Mitteleuropa. Daher kommt den Mitteleuropäern – also auch uns – die Verantwortung zu, diese Wälder zu erhalten. Buchenwälder gehören deshalb auch zu den FFH-Lebensräumen, die besonders zu schützen und zu erhaltend sind. 
Die Rotbuche wächst überall da gut, wo der Boden nicht zu nass, nicht zu trocken, nicht zu kalt und nicht übermäßig nährstoffreich ist. An ihren natürlichen Standorten kann natürlicherweise keine andere mitteleuropäische Baumart mit ihr konkurrieren. Ohne den Menschen und seine Haustiere würde die natürliche Vegetation hierzulande weitgehend aus einem mehr oder weniger geschlossenen Buchenwald bestehen. Stellenweise und je nach Standort wären ihm andere Laubbaumarten beigemischt, Nadelbäume gäbe es in dieser Höhenlage nicht!
Die Waldgesellschaften Mitteleuropas sind alle verhältnismäßig jung, da Mitteleuropa während der letzten Eiszeit waldfrei war. Diese Eiszeit endete vor etwa 11.700 Jahren.  
Die Rotbuche spielt ihre beherrschende Rolle als Waldbaum erst seit rund 3000 bis 4000 Jahren, sie wanderte als eine der letzten Waldbäume aus ihren Refugien wieder ein.
Man kann Buchenwälder anhand ihrer Krautschicht unterscheiden – je nach Standort und Bodenverhältnissen ist sie anders beschaffen. Das Ausgangsgestein und der daraus entstandene Boden haben einen großen Einfluss auf die Vegetation. Die typischen Gesteine im Untergrund des Rothaargebirges bestehen aus basenarmem Silikatgestein. Durch Verwitterung entsteht daraus entsteht eine basenarme Braunerde. Diese kann Säuren schlecht abpuffern. Wenn also Säuren durch den Regen eingetragen werden oder durch die Pflanzen entstehen, ist die Bodenreaktion sauer. 
In saurem Boden sind jedoch Pflanzennährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium und Calcium schlechter verfügbar. Dies wirkt sich natürlich auf die Vegetation aus. Ein Hainsimsen-Buchenwald wie hier breitet sich auf genau solchen Gebieten aus. Er ist die artenarme Ausprägung der Buchenwälder. Kennzeichnend für ihn ist eine schüttere, stellenweise gar nicht vorhandene Krautschicht. Sie setzt sich aus wenigen, säuretoleranten Pflanzen zusammen. Typisch ist die Weiße Hainsimse, von der der Hainsimsen-Buchenwald seinen Namen erhielt. Zu nennen sind weiterhin die Drahtschmiele, aber auch Heidelbeere oder das Frauenhaarmoos. Erschwerend für die Pflanzen der Krautschicht ist, dass Buchenwälder oft als Hallenwälder wachsen, in denen nur wenig Licht bis zum Boden gelangt. Was bedeutet das für den eigenen Nachwuchs der Buchenwälder? Im Gegensatz zu vielen anderen Baumarten, wie z.B. der Eiche, benötigen die jungen Buchen nur wenig Licht; sie können gut im Schatten dichter Kronendächer gedeihen.

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