6. Ein naturnaher Bergbach

Durch das kleine Wiesental, in das Sie hineinsehen können, fließt einer von mehreren Quellbächen der Eder. Diese Oberläufe der Bäche sind meist wenig beeinträchtigt und gelten noch als naturnah.
Aber was heißt naturnah? Merkmale eines natürlich fließenden Mittelgebirgsbaches sind ein unbegradigtes und ungleichförmiges Bachbett. In ihm strömt das Wasser nicht ruhig dahin, sondern fließt recht turbulent –  mal um Steine herum, an anderer Stelle als kleiner Wasserfall über größere Steine, mal schneller, mal langsamer. Naturnahe Bachböden sind abwechslungsreich; es finden sich steinige, sandige und schlammige Stellen. Fließt der Bach dann auch noch durch ein Ufergehölz,  bildet er eher flache und ungleichförmige Ufer aus. 
Ein natürlich fließender Bach bietet viele  Kleinstlebensräume. Dort lebt eine große Anzahl verschiedenster Tiere. Anhand der Besiedlung mit bestimmten Tierarten lässt sich sogar die Gewässergüte bestimmen. Da gibt es nicht nur Fische, sondern auch Plattwürmer, Ringelwürmer, Schnecken oder kleine Krebstiere. Und die zahllosen Insektenlarven: Steinfliegen, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Mücken, Käfer – viele nutzen den Bergbach als turbulente Kinderstube; sie schätzen das  kühle, sauerstoffreiche und saubere Wasser und verlassen es als erwachsene Tiere. 
Es gibt die tollsten Anpassungen an die Strömung: ganz flache Eintagsfliegenlarven mit Spoiler vorne am Kopf, Mückenlarven mit Saugnäpfen oder Hakenkränzen zum Festhalten, Köcherfliegenlarven, die ihre Köcher mit Steinchen beschweren. 
Je sauberer und sauerstoffreicher ein Bach ist, desto artenreicher ist das sogenannte Makrozoobenthos. Damit sind die Tiere gemeint, die am Gewässerboden leben und so klein sind, dass die größten unter ihnen gerade so mit dem Auge erkennbar sind.  Alle diese Tiere tragen zur Selbstreinigung eines Gewässers bei. 

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