2. Unterwegs auf Kohlenstraße und Kyrill-Pfad

Bei dem Weg, der geradewegs zur Ederquelle führt, handelt es sich um die Wittgensteiner Kohlenstraße. Sie gehört zu einer Reihe von alten Handelsstraßen, die sich hier oben kreuzen. Unter anderem gehört dazu auch die bekannte Eisenstraße, von der wir gekommen sind. Die Kohlenstraßen wurden seit dem 16. Jahrhundert genutzt, um das holzkohlenhungrige Siegerland mit Brennstoff zu versorgen. Die dortigen Hütten- und Hammerwerke benötigten Unmengen davon, um aus Erz Eisen zu produzieren.
Die Fläche vor Ihnen wurde 2007 vom Sturm „Kyrill“ entwaldet – oder eigentlich entfichtet. Denn hier standen ausschließlich Fichten, die der Mensch vor circa 100 Jahren angepflanzt hatte. Von Natur aus würde an diesem Standort ein Buchenwald stehen. 
Die weit verbreiteten Fichten-Monokulturen sind anfällig. Beispielsweise bieten sie sogenannten Schädlingen beste Entwicklungschancen. Außerdem laugen sie die Böden einseitig aus. Auch bei dem Sturm „Kyrill“ wurde vor allem die Fichte in Mitleidenschaft gezogen. Vermutlich wird die Fichte das sich verändernde Klima in Zukunft schlecht verkraften.  
Der Trend ist, die Wälder zukünftig natürlich zu bewirtschaften.  Bei einer naturnahen Nutzung fällt man nur einzelne Bäume oder kleine Gruppen von Bäumen. Es entstehen Lichtungen, die ein natürliches Nachwachsen des Waldes ermöglichen. Aufwändige Pflanzungen erübrigen sich, da ein natürlich bewirtschafteter Wald genug Jungwuchs hervorbringt, zudem bestens an den Standort angepasst und damit stabil ist. Veränderten Umweltbedingungen kann er sich anpassen. Natürliche Wälder sind letztlich auch weniger anfällig für Schädlinge.
Und sie sind wertvolle Ökosysteme! Natürliche Wälder bieten vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum, da sie  verschiedene Nischen aufweisen. Die Baumschicht, also das „Dachgeschoss“ des Waldes, besteht aus mehreren Arten, die Bäume sind unterschiedlich alt, es finden sich Alt- und Uraltbäume. Unterhalb der Baumschicht gibt es meist auch noch  eine Strauch- sowie eine Krautschicht. 
Im Staatswald arbeitet man schon auf ein naturnahes Waldbild hin. Beispielsweise unterpflanzt man Fichten-Monokulturen mit standortgerechten Laubbäumen. Und hier, an dieser Stelle, will man auf ca. 3 ha der Natur freien Lauf lassen und sehen, ob und wie sich der Wald von selbst regeneriert. Der Kyrillpfad ermöglicht Ihnen, das Gebiet kennenzulernen. Wenn Sie gut beschuht und halbwegs gut zu Fuß sind, sollten Sie ihn unbedingt erforschen!

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