9. Kyrill als Chance

Im Januar 2007 zog ein gewaltiger Orkan mit dem Namen Kyrill über weite Teile Deutschlands. Auch hier, in diesem Bereich des Lennetals, hinterließ er seine Spuren.
Und nun die Wettervorhersage: Der Deutsche Wetterdienst gibt eine Unwetterwarnung heraus. Für ganz Deutschland, aber vor allem im Bereich der Mittelgebirge, sind orkanartige Sturmböen bis 150 Stundenkilometern zu erwarten. Wenn möglich, bleiben Sie ab den Mittagsstunden im Haus und halten Sie sich fern von Bäumen und Wäldern.
Kyrill verursachte die in Südwestfalen seit Menschengedenken größte Naturkatastrophe. Der Orkan fegte mit Geschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern über das Hochsauerland hinweg. Am Morgen nach dem Sturm wurde bei Tageslicht sichtbar, mit welcher Urkraft der Orkan gewütet hatte: Millionen von Bäumen lagen entwurzelt am Boden oder waren wie Streichhölzer umgeknickt.
Durch Kyrill hat sich die Landschaft vielerorts drastisch verändert. Riesige Waldflächen wurden zerstört. Dabei hat es vor allem die Fichtenwälder erwischt: Die flach wurzelnden Fichten konnten dem Sturm einfach nicht trotzen und kippten um wie Dominosteine. Die hier in der Gegend von Natur aus vorkommenden Buchenwälder blieben hingegen weitestgehend verschont.
Wie kommt es, dass die Fichte mit 70%igen Anteil die dominierende Baumart im Oberen Sauerland werden konnte, wenn sie doch offensichtlich schlecht an extreme Wetterereignisse angepasst ist, wie sie hier vorkommen? Gehen wir noch einmal zurück in die Geschichte. Erinnern Sie sich? Aufgrund der intensiven Waldnutzung, beispielsweise durch die Köhlerei, herrschte Ende des 18. Jahrhundert eine regelrechte Holznot. Um dieser  zu begegnen, wurden auf den ausgemergelten Böden großflächige Aufforstungen durchgeführt. Und so betrat die schnellwüchsige, anspruchslose, aber leider nicht heimische Fichte die Bühne und wurde zum sogenannten „Brotbaum des Sauerlandes“.
Natürlicherweise würden Bäche wie die Lenne hier von einem feuchten Auenwald mit Erlen, Eschen und Bergahorn begleitet werden. Sturmereignisse wie Kyrill bieten die Chance, wieder eine natürliche Entwicklung zuzulassen. Wer weiß, vielleicht werden unsere Urenkel hier einmal durch einen naturnahen Auenwald wandern können.

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