8. Lebensraum Waldwiesental

Wenn Sie einen Wanderer fragen, was besonders schön im Sauerland ist, dann wird er bestimmt die abgelegenen, friedlichen Waldwiesentäler nennen. Sie sind ein unverwechselbares Element der Mittelgebirgslandschaft.
Ursprünglich lagen die Bäche in diesen Tälern verborgen in einem feuchten Wald aus Erlen, Eschen und Bergahorn. Im frühen Mittelalter begann man dann, die Bachtäler zu roden und allmählich in Wiesen umzuwandeln. Warum man das tat? Natürlich konnte man das Holz gut gebrauchen. Aber weshalb die aufwendige Umwandlung in eine Wiese? Der natürliche Prozess wäre, dass nach dem Roden ein neuer Wald entsteht. Um eine Wiese zu erhalten, ist es deshalb erforderlich, alles, was nachwächst, erneut zu roden. Grund für diesen Arbeitseifer waren die Nutztiere. Um sie durch den langen und harten Winter zu bringen, benötigte man dringend Heu. Wiesen waren somit ein sehr kostbares Gut.
Wenn auch der Wald gerodet wurde: Mit den Wiesen entwickelten sich neue, vielfältige Lebensräume mit einem großen Reichtum an Tier- und Pflanzenarten. Das Grünland hier an der Lenne hat unterschiedlichste Ausprägungen – von feucht bis trocken, von nährstoffreich bis mager. Artenreich sind auch die zahlreichen Kleinstrukturen wie beispielsweise die Hecken entlang der Wege, einzelne Bäume oder auch Geländekanten. 
Zwischen den Lebensräumen Bach, Wiese und Wald gibt es – bedingt durch die Talform – lange Grenzzonen; sie sind eng sind miteinander verzahnt. Als Grenzgänger nutzen viele Tiere auch Angebote benachbarter Lebensräume. 
Aus wirtschaftlicher Sicht sind Waldwiesentäler heute unrentabel– sie liegen zu weit abseits, eine intensive Nutzung ist nicht möglich. In jüngster Vergangenheit ist der vielfältige Lebensraum Waldwiesental daher häufig von Aufforstung bedroht, oder man will die Wiesen brach liegen lassen. Dann würden sie langsam zuwachsen, der große Reichtum an Tier- und Pflanzenarten würde verschwinden. 
Deshalb wurde das obere Lennetal als Naturschutzgebiet ausgewiesen, und man führt hier eine traditionell extensive Wirtschaftsweise fort –im Vergleich zur intensiven Landwirtschaft werden dabei nur wenig Kapital und Arbeitskraft eingesetzt. In den entlegenen Wiesentälern weiden nun junge Rinder oder Mutterkühe, die nicht mehr gemolken werden müssen, mit ihren Kälbern. Sind sie nicht zu beneiden?

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