5. Sichtbare Grenzen

Folgen Sie einige Meter dem Pfad, der rechts hinein in den Wald führt. Parallel zum Weg sehen Sie einen circa 1m hohen Wall. Was hier wohl gewesen ist?
Man hört schon, hier ging es nicht immer friedlich zu. Beim Anblick des heute eher flachen Walles ist es kaum vorstellbar, dass er einst wichtiger Bestandteil einer Verteidigungsanlage war, einer sogenannten „Landwehr“.  Sie sicherte die Grenze zwischen dem Kurkölnischen Sauerland und Siegen-Wittgenstein.
Eine Landwehr bestand aus mindestens einem Erdwall mit beidseitigen Gräben. Der Wall konnte – von der Grabensohle aus gerechnet – eine Höhe von bis zu 3m haben. Zusätzlich war die Wallkrone häufig mit undurchdringlichen Dornensträuchern bepflanzt. So war er ein unüberwindbares Hindernis für Reiter und Fuhrwerke. Reisende zwang er, die offiziellen Wege zu nutzen und an den mit Schlagbäumen gesicherten Durchlässen Wegezoll zu zahlen. Natürlich schützte eine Landwehr die Bevölkerung auch vor feindlichen Übergriffen.Im Mittelalter waren Landwehren zur Verteidigung von Dorfgrenzen, Stadtgrenzen und Territorialgrenzen weit verbreitet. 
Grenzen – vor allem gesicherte Grenzen – können wie eine Mauer sein: Hier trennte sie die Sprache in Niederdeutsch und Mitteldeutsch. Seit der Reformation trennte sie den Glauben in Katholisch und Protestantisch. 
Sie trennte Menschen und  Kulturen.
Bis ins 18. Jahrhundert findet unsere Landwehr hier Erwähnung in Dokumenten – und zwar, wenn es um Grenzstreitigkeiten geht. Heute ist der Wall ist auf einer bemerkenswerten Länge von 600m erhalten – das ist selten der Fall. Denn nachdem sie nicht mehr genutzt wurden, sind die meisten Landwehren aus der Landschaft verschwunden. 
Und auch an den übrig gebliebenen Relikten wie hier im Wald nagt der Zahn der Zeit. Abgefallenes Laub und Totholz lässt die Gräben verschwinden. Dornensträucher gibt es schon lange nicht mehr, und der Wall selbst flacht im Laufe der Jahrhunderte durch natürliche Umwelteinflüsse wie Regen und Wind immer weiter ab.

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