4. Blühende Bergwiesen - Ein Schatz unserer Vorfahren

Kennen Sie dieses Geräusch? Das Mähen der Wiesen mit der Sense war einst eine kraftzehrende und enorm wichtige Arbeit in den Sommermonaten. Die Rinder mit ihrem schier unerschöpflichen Heuhunger wären im Winter sonst verhungert. Heute werden sie kaum noch mit Heu gefüttert. Auf ihren Speiseplan steht immer häufiger eintöniges Silagegras. Anders als beim Heu lässt man es nach dem Mähen nicht trocknen, sondern in einem Silo gären. 
Silagegras kommt von sterilen Silowiesen. Hoher Ertrag ist das Ziel. Dazu werden die Wiesen stark gedüngt und bis zu viermal im Jahr gemäht. In der Folge reduziert sich die vielfältige Pflanzenwelt auf wenige Grasarten und Löwenzahn. Besonders betroffen von diesem Artenschwund sind die Bergwiesen. Denn sie sind nicht nur an die Heuwirtschaft, sondern auch an das spezielle Bergklima gebunden.
Um dem Artenschwund entgegenzuwirken, werden die Winterberger Bergwiesen besonders gepflegt. Sie werden nicht gedüngt und erst ab Anfang Juli zweimal jährlich gemäht – natürlich nicht mit der Sense.
Für die Mahd werden Balkenmäher verwendet und nicht die heute üblichen Hochleistungsrotationsmäher. Letztere führen zu hohen Verlusten unter den Heuschrecken und den Schmetterlingen, genauer gesagt den Tagfaltern. Außerdem beschädigen sie das Schnittgut stark. Balkenmäher sind schonender, weil sie keinen für Kleinlebewesen tödlichen "Staubsaugereffekt" entwickeln. Außerdem werden Pflanzen und Gras knapp über der Narbe abgeschnitten, das Schnittgut fällt nur um. So haben die Stengelbewohner Zeit, bis zum Einsammeln der Ernte einen neuen Lebensraum zu suchen.
Welche Arten genau auf einer Wiese gedeihen, hängt neben der Nutzung auch von den Standortbedingungen ab. Auf mageren Böden fühlen sich andere Pflanzen wohl als auf besser nährstoffversorgten oder gar feuchten Böden. Da geht es den Pflanzen mit ihren Ansprüchen nicht anders als uns Menschen – jeder hat einen Platz, an dem er sich besonders wohl fühlt. 
Durch die besondere Pflege der Winterberger Bergwiesen zeigen uns hier auch in Zukunft zahlreiche Kräuter und Gräser ihr lachendes Gesicht. Dazu gehören das Kanten-Johanniskraut,  die Gras-Sternmiere, die Wiesenmargerithe, der Wald-Storchenschnabel und der Goldhafer. Mithilfe der Saatgutgewinnung von artenreichen Bergwiesen können bereits beeinträchtigte Wiesen wiederbelebt oder sogar neue geschaffen werden!

-