3. Der Wandel der Landschaft

Sind Sie mutig? Dann wagen Sie eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. Das idyllisch gelegene Höhendorf Lenneplätze vor uns gäbe es noch nicht. Vor ca. 4000 Jahren würden Sie hier mitten im Wald stehen, in unendlich tiefem Wald. 
Als der Mensch kam, musste der Wald weichen. Unsere Vorfahren brauchten Holz für ihre Häuser, Platz für ihre Äcker, das Vieh brauchte Futter, die Öfen brauchten Kohle. So rodete man den Wald oder nutzte ihn auf vielfältigste Weise. Weit verbreitet war damals die Viehhude.
Zur Viehhude wurden Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine in den Wald getrieben. Sie fraßen alles, am liebsten die leckeren jungen Triebe und die Bucheckern und Eicheln. So hatte der Wald keine Chance mehr, sich zu verjüngen – ihm fehlte der Nachwuchs. Im Laufe der Zeit lichtete er sich zunehmend. Es entstand eine parkähnliche offene Landschaft mit Acker- und  großen Heideflächen, wenigen Gehölzen und überalterten lichten Wäldern. Die Naturlandschaft war zur Kulturlandschaft geworden.
Besonders schmerzhaft für die Wälder war die Köhlerei, denn die Produktion von Holzkohle verschlang massenhaft Holz. Das Höhendorf Lenneplätze entstand vermutlich bereits im 16. Jahrhundert, als Köhler hier in den Wäldern ihre Meiler aufschichteten und den Wald rodeten. Das Wort Rodung findet sich auch im Namen „Rothaargebirge“. Der hat gar nichts mit „roten Haaren“ zu tun sondern bedeutet in etwa „Gerodetes Waldgebirge“.
Dort, wo Sie heute entlang des Audiopfades durch die bunt blühenden Wiesen wandern, waren ab dem 18. Jahrhundert dann überwiegend Ackerflächen. Heutzutage lohnt sich der Ackerbau aufgrund der kargen Böden und des rauen Klimas hier wie fast überall im Hochsauerland  nicht mehr.
Warum aber hat man in dieser unwirtlichen Lage von immerhin 760 m Höhe überhaupt Ackerbau betrieben? Gab es da keinen günstigeren Platz? Doch – den gab es, aber die Politik wollte es anders. Der Graf zu Siegen-Wittgenstein ließ im Jahr 1713 die Gegend, den „Hohen Norden“, verstärkt besiedeln. Es entstanden Ortschaften wie Langewiese und Neuastenberg. Grund war, dass der Graf die hier befindliche Grenze seiner Grafschaft Siegen-Wittgenstein zum kurkölnischen Sauerland sichern wollte. Als Siedlungsanreiz gab es Steuererleichterungen – schon damals ein probates Mittel, politische Ziele zu erreichen. 

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